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F.A.Z. Woche : Zwischen Mann und Frau

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Zu ihnen zählen Transgenderpersonen. Der englische Begriff „gender“ bezeichnet das soziale Geschlecht. Verortet sind hier gesellschaftliche Normen und Verhaltensformen. Transgenderpersonen können sich zwar mit dem Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde, nicht identifizieren. Sie streben aber nicht unbedingt körperliche Veränderungen an. Ihnen geht es primär darum, auf gesellschaftlicher Ebene akzeptiert zu werden.

Anders sieht es bei transsexuellen Menschen aus. „Sex“ bezieht sich hier auf die geschlechtsbezogenen Merkmale des Körpers; deswegen wird auch häufig von Transidentität gesprochen. Transsexuelle wollen in das „Gegengeschlecht“ wechseln, ihren Körper verändern, um ein Leben entsprechend ihrer Geschlechtsidentität leben zu können. Da die Wege, die beschritten werden, sehr individuell sind, werden transgender und transsexuelle Personen häufig unter dem Sammelbegriff trans* zusammengefasst, um die vielfältigen Identitäten zum Ausdruck zu bringen.

Mindestens 172.000 Trans-Menschen leben derzeit in Deutschland. Diese Zahl nennt Petra Weitzel von der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität. Ein Drittel hat mit Hilfe einer Operation vollständig die Geschlechterrolle gewechselt, ein weiteres Drittel eine Hormontherapie in Anspruch genommen, während der Rest nur eine gesellschaftliche und rechtliche Anerkennung anstrebt. Darüber hinaus existiert eine sogenannte nichtbinäre Geschlechtsidentität. Einige fühlen sich weder als Mann noch als Frau. Einige empfinden beides und führen ein Leben gelegentlich als Mann und hin und wieder als Frau. Und einige lehnen das Zwei-Geschlechter-System vollends ab und wollen nicht als eindeutig weiblich oder männlich zugeordnet werden. All diese Fälle einbezogen, leben so insgesamt 258.000 Trans-Menschen in Deutschland, die sich vor allem eines wünschen: ein ganz normales, selbstbestimmtes Leben zu führen.

Forscher vermuten, dass die eigene Geschlechtsidentität sich bereits vor der Geburt oder im frühesten Kindesalter ausbildet. Sie muss nicht mit dem körperlichen Erscheinungsbild übereinstimmen.
Forscher vermuten, dass die eigene Geschlechtsidentität sich bereits vor der Geburt oder im frühesten Kindesalter ausbildet. Sie muss nicht mit dem körperlichen Erscheinungsbild übereinstimmen. : Bild: Thomas Fuchs

Diesen Wunsch bekommen sie längst nicht immer erfüllt. In der Krankheitsklassifikation ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation wird Transsexualität derzeit unter den Persönlichkeits- und Verhaltungsstörungen eingruppiert. Eine psychische Krankheit also, die gar keine ist: Voraussichtlich 2018 soll sich das in der Neufassung ICD-11 widerspiegeln. Dort soll Transsexualität in der Kategorie „Bedingungen, bezogen auf die sexuelle Gesundheit“ unter „Geschlechtsinkongruenz“ verschlüsselt werden.

Wie grundlegend diese Änderung ist, haben mexikanische Forscher mit einer Befragungsstudie veranschaulicht. Die Vermutung, dass Trans-Personen psychische Probleme aufweisen, weil sie sich mit ihrem biologischen Geschlecht nicht identifizieren können, ist demnach schlichtweg falsch. Vielmehr erfahren sie seelisches Leid, weil sie mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt erlebten oder sozial ausgegrenzt wurden. Das machte eine Befragung von 250 Trans-Personen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren deutlich. 208 Teilnehmer entwickelten demnach depressive Symptome, mehr als ein Drittel berichteten über soziale Ausgrenzung und Unterdrückung, am häufigsten von ihren eigenen Familien, gefolgt von Arbeitskollegen und Mitschülern. In 157 Fällen war Gewalt im Spiel, in fast der Hälfte wurden Familienmitglieder handgreiflich, wie es in der Fachzeitschrift „Lancet Psychiatry“ heißt.

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