03.04.2003 · Helmut Kohl warnt Washington vor unilateralen Irrtümern. Gleichzeitig wirft der Altkanzler der rot-grünen Bundesregierung „unsäglichen Antiamerikanismus“ vor.
Altkanzler Helmut Kohl (CDU) hat die Irak-Politik der Bundesregierung scharf kritisiert und den Bundespräsidenten darin eingeschlossen. Die Debatte um den Irak-Kurs der Vereinigten Staaten in Deutschland sei „durch einen unsäglichen Antiamerikanismus der politischen Linken“ aufgeheizt worden, sagte Kohl in einem Interview der Zeitung „Die Welt“ .
Die „prominentesten Vertreter“ dieses Antiamerikanismus seien Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), Bundespräsident Johannes Rau und Außenminister Joschka Fischer (Grüne), fügte Kohl hinzu. Seinem Nachfolger Schröder warf der CDU-Politiker vor, die Kriegsangst der Deutschen bedenkenlos im Wahlkampf mobilisiert zu haben. Der SPD-Vorsitzende habe „seine ganze Abneigung für Amerika bei jeder Gelegenheit bezeugt“. Schröder und seine Regierung würden deshalb nie mehr wirklich persönlichen Zugang in Washington finden.
„Kein neues Rom“
Die deutsch-amerikanische Freundschaft könne gleichwohl nicht zerstört werden, weil die „Fundamente tief verankert“ seien. Kohl warnte zugleich die Administration von Präsident George W. Bush vor unilateralen Irrtümern. „Wer jetzt in Washington davon träumt, er sei das neue Rom und die Welt werde nach seiner Melodie singen - der lebt neben der Wirklichkeit“, sagte er.
Von einer „pax americana, wo wir alle in Reih und Glied stehen“, könne gar keine Rede sein. Dafür habe sich die multipolare Welt in den vergangenen Jahren zu weit entwickelt. Der Altkanzler machte deutlich, dass Deutschland unter seiner Führung den Irak-Kurs der Vereinigten Staaten mitgetragen habe.