13.12.2004 · Seit seiner Amtszeit als Oberbürgermeister von Bukarest ging es mit der politischen Karriere steil bergauf: Traian Basescu ist der neue Präsident Rumäniens - und gilt als ziemlich schlagkräftig.
Von Karl-Peter SchwarzEr sagt von sich, daß er lieber mit den Leuten auf der Straße rede als an seinem Schreibtisch zu sitzen. Seine Gegner werfen ihm vor, es fehle ihm an Stil und Noblesse, die für das Amt des rumänischen Präsidenten unerläßlich seien.
Gewiß ist, daß es Traian Basescu noch nie schwergefallen ist, sich unmißverständlich auszudrücken. Ein so offenkundiger Gegensatz wie zwischen dem oft ruppigen, gelegentlich aufbrausenden und manchmal sentimentalen ehemaligen Kapitän der Handelsmarine und dem aalglatten, arroganten und in allen Künsten byzantinischer Ranküne bewanderten Adrian Nastase ist unter politischen Antagonisten rar.
Sympathie mit den einfachen Leuten
Der Spitzname „Popey“ paßt dem kleinen, drahtigen Mann mit dem Matrosengang nicht schlecht. Er gilt als friedfertig, aber leicht erregbar, als hartnäckig, standfest und ziemlich schlagkräftig. Aber was ihn als Politiker in einem Ambiente wie dem rumänischen besonders auszeichnet, sind sein persönlicher Anstand und seine Sympathie mit den einfachen Leuten.
Traian Basescu wurde am 4. November 1951 in Basarabi bei Konstanza geboren. Er war elf Jahre lang Kapitän auf Hochseeschiffen und leitete zwischen 1987 und 1989 die Vertretung der rumänischen Handelsflotte in Antwerpen.
Nach dem Sturz Ceauescus trat er der Demokratischen Partei bei, die der Sozialistischen Internationale angehört, sich 1996 aber der konservativen Mehrheit im rumänischen Parlament anschloß. Basescu war zweimal Verkehrsminister, zunächst von 1991 bis 1992 in den Kabinetten Roman und Stolojan, dann in der Ära des Präsidenten Constantinescu von 1996 bis 2000 in den Kabinetten Ciorbea, Vasile und Isarescu.
Energie und Durchsetzungskraft
Nach der schweren Niederlage der Konservativen bei den Parlamentswahlen wechselte er in die Kommunalpolitik und wurde 2000 zum ersten Mal zum Oberbürgermeister von Bukarest gewählt. In diesem Amt erwarb er sich rasch das Vertrauen der Bürger, die seine Energie und Durchsetzungskraft zu schätzen lernten.
Allmählich verschwanden die streunenden Hunde aus der Hauptstadt, die Straßen wurden ausgebessert, die Zufahrten zu den Plattenbauten wurden asphaltiert, die U-Bahn wurde modernisiert.
Auftrieb der Partei
Bei den Kommunalwahlen im Juni dieses Jahres gelang es Basescu, schon in der ersten Runde den von der sozialdemokratischen PSD als Kandidaten nominierten Außenminister Mircea Geoana zu schlagen. Dieser Sieg verlieh der geschwächten und in ihre Querelen verstrickten rechten Opposition, die sich nach dem Zerfall der alten Koalition um die Demokratische Partei (PD) und die Nationalliberale Partei (PNL) neu formiert hatte, wieder den lange ersehnten Auftrieb.
2001 hatte Basescu die Führung der PD übernommen und sie von diskreditierten Politikern gesäubert. Zu diesen Wahlen war ursprünglich Theodor Stolojan (PNL) als Kandidat für das Amt des Präsidenten und Basescu für jenes des Ministerpräsidenten angetreten.
Basescu: Nummer eins der Opposition
Stolojan legte seine Kandidatur jedoch aus Gesundheitsgründen nieder, und Basescu rückte in die erste Reihe auf. Seither galt er als die unumstrittene Nummer eins der rumänischen Opposition.
Die PSD, die aus den Parlamentswahlen als stärkste Partei hervorgegangen ist, sieht in Basescu einen gefährlichen Gegner. Schon als Bürgermeister von Bukarest hatte er Kompromisse mit der korrupten Stadtorganisation der Regierungspartei abgelehnt. Den Wahlkampf führte er im Zeichen des Widerstandes gegen das Machtmonopol der PSD. Basescu ist verheiratet und hat zwei Töchter.
Karl-Peter Schwarz Jahrgang 1952, Korrespondent für die Tschechische Republik, die Slowakei, Rumänien, Slowenien, Kroatien, Montenegro und Albanien mit Sitz in Wien.
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