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Tote in Afghanistan Keine Ruhe mehr

15.04.2010 ·  Den Aufständischen in Afghanistan dürfte die öffentliche Meinung in Deutschland - und der Hebel, den sie darstellt - nicht verborgen geblieben sein. Das alles spricht aus Sicht der Taliban dafür, die Angriffe auf die Bundeswehr zu verstärken. Wie lange wird Deutschland das ertragen?

Von Berthold Kohler
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Auf afghanischem Boden sprach Verteidigungsminister zu Guttenberg davon, dass 2010 ein „Schlüsseljahr“ für die Mission zur Stabilisierung des Landes sein werde und dass an seinem Ende „messbare Ergebnisse“ stehen müssten. Die vergleichsweise ruhige Lage rund um das Bundeswehrfeldlager Faizabad, dem letzten Halt seiner Afghanistan-Reise, könne dabei „optimistisch stimmen“. Die Wirklichkeit am Hindukusch strafte den vorsichtigen Amts-Optimismus des Ministers jedoch schon Lügen, noch bevor er das Land verlassen hatte.

Nur zwei Wochen nach dem blutigen Karfreitag, an dem drei Bundeswehrsoldaten gefallen waren, fielen weitere vier Deutsche einem Angriff der Aufständischen zum Opfer. Der Minister, der erst vor zwei Tagen im Ehrenhain von Mazar-i-Sharif der 43 in Afghanistan zu Tode gekommenen deutschen Soldaten gedachte, musste umkehren. Der Bürgerkrieg am Hindukusch lässt ihn und ganz Deutschland nicht mehr zur Ruhe kommen.

Wie lange wird Deutschland das ertragen?

Die Erfahrung, dass in Afghanistan im Wochentakt eigene Soldaten verletzt und getötet werden, müssen Amerikaner und Briten schon seit Jahren bewältigen. Deutschland aber hoffte und setzte darauf, dass es im Norden nicht so schlimm kommen werde wie in den umkämpften Südprovinzen – auch wegen der demonstrativen Konzentration auf den Wiederaufbau. Die Aufständischen verfolgen jedoch ein anderes Kalkül.

Durch den „weichen“ Norden verlaufen die Nachschubrouten für die Südfront. Mit schweren Gegenschlägen von Seiten der Bundeswehr, insbesondere aus der Luft, müssen die Taliban seit dem Bombardement vom Kundus-Fluss kaum noch rechnen; am Karfreitag bat die Truppe im Gefecht vergeblich um Luftunterstützung. Zudem dürfte den Aufständischen die öffentliche Meinung in Deutschland – und der Hebel, den sie darstellt – nicht verborgen geblieben sein. Das alles spricht aus Sicht der Taliban dafür, die Angriffe auf die Bundeswehr zu verstärken.

Wie lange wird Deutschland das ertragen und „vereint“ hinter seinen Soldaten stehen, wie es ihnen Außenminister Westerwelle zusagte? Nach der Linkspartei, die den Abzug fordert, macht sich nun zunehmend auch die SPD zum Sprachrohr des Zweifels. Die „messbaren Ergebnisse“ im Sinne einer wenigstens partiellen Befriedung Afghanistans dürfen nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen. Leider wissen das auch die Taliban.

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Jahrgang 1961, Herausgeber.

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