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Tötung Bin Ladins „Kugeln zerrissen ihn, bis er reglos war“

Ein früherer Navy-Seal hat ein Buch über die Tötung Bin Ladins veröffentlicht. Seine Darstellung legt nahe, dass eine Festnahme nie beabsichtigt gewesen ist - und widerspricht den vom Weißen Haus verbreiteten Versionen von dem Einsatz.

© dpa Kurzer Prozess: Usama Bin Ladin

Das amerikanische Verteidigungsministerium droht, mit dem Einsatz aller rechtlichen Möglichkeiten Jetzt droht das Pentagon mit der Keule. In einem Brief an einen gewissen Michael Owen warnt das Verteidigungsministerium mit Konsequenzen, weil der frühere Angehörige der Eliteeinheit Seal der Kriegsmarine in seinem Buch „No Easy Day“ vertrauliche und geheime Informationen enthüllt habe. „Wegen der erheblichen Verletzung Ihrer Vereinbarungen“ mit den Streitkräften erwäge das Pentagon, „gegen Sie vorzugehen“, heißt es in dem Schreiben von Chef-Rechtsberater Jeh Johnson.

Matthias Rüb Folgen:

Nur wird ein Autor namens Michael Owen den Brief nicht lesen. Hinter dem Allerweltsnamen-Pseudonym verbirgt sich nämlich der 36 Jahre alte ehemalige Seal-Soldat Matt Bissonette aus Alaska, der im April 2012 aus dem aktiven Dienst der amerikanischen Kriegsmarine ausschied. Er hat, gemeinsam mit einem Ghostwriter, ein umfangreiches Buch über den Einsatz des „Team Six“ der Navy-Seals vom 2. Mai 2011 zur Tötung Usama Bin Ladins verfasst. Der Titel „No Eays Day“ (Kein leichter Tag) nimmt eine bei Spezialeinheiten und überhaupt bei den Streitkräften beliebte Sentenz auf, wonach der einzige leichte Tag in dem gefährlichen Einsatz immer gestern gewesen sei: Immerhin hat man ihn überlebt.

Bereits an der Spitze der Bestsellerlisten

Bissonette gehörte zu jenem Team, das in der Nacht zum 2. Mai 2011 mit zwei Hubschraubern von Afghanistan aus nach Abbottabad in Pakistan flog, dort das Anwesen Bin Ladins stürmte, den Al-Qaida-Anführer erschoss, die Leiche Bin Ladins nach der Beendigung der Kommandoaktion auf einen Flugzeugträger in der Arabischen See ausflog, wo die sterblichen Überreste schließlich in einer Seebestattung dem Meer übergeben wurden.

Bissonette war der zweite Mann, der nach der Erstürmung des Gebäudes die Treppe zu den Schlafräumen Bin Ladins hinaufstürmte. Und er war einer der ersten, der ins Schlafzimmer Bin Ladins lief, in dem die Kommandoeinheit neben Bin Ladin zwei Frauen antrafen. Bissonettes detaillierte Beschreibung des Einsatzes hätte nach den Plänen des Verlages, der zur Penguin-Gruppe gehört, am 11. September, dem Jahrestag der von Bin Ladin ausgeheckten Terroranschläge von New York und Washington veröffentlicht werden sollen. Wegen der immensen Nachfrage nach dem Buch, das allein aufgrund von Vorbestellungen schon die Bestsellerlisten anführt, wurde der Veröffentlichungstermin auf diesen Montag vorverlegt.

Bin Laden Book Pentagon © dapd Vergrößern Wegen der immensen Nachfrage nach dem Buch wurde der Veröffentlichungstermin auf diesen Montag vorverlegt

Vorabexemplare gingen an die Presse und auch ans Pentagon. Seinem früheren Arbeitgeber hätte Bissonette sein Manuskript schon vor der Veröffentlichung vorlegen müssen, um den Inhalt auf sensitive Informationen überprüfen zu lassen.

Bissonettes Darstellung widerspricht den vom Weißen Haus verbreiteten Versionen von dem Einsatz, die ihrerseits verschiedene Stadien durchlaufen haben. Zunächst hatte es geheißen, Bin Ladin habe von seinem Bett aus auf die Soldaten geschossen, die dann das Feuer erwidert hätten. Dann wurde konzediert, Bin Ladin sei unbewaffnet gewesen, als ihn im Schlafraum die Kugeln der „Seals“ trafen.

Weder kommerzielle noch gar politische Absichten

Bissonette aber beschreibt, dass der Kamerad, der vor ihm die Treppe hinaufeilte, den ersten Schuss auf Bin Ladin abgefeuert habe, als dieser aus dem Schlafzimmer heraus- und die Treppe hinabgeschaut habe. Dieser erste Schuss traf bin Ladin in den Kopf, er fiel daraufhin zurück ins Schlafzimmer. Dort sei Bin Ladin dann in einer Blutlache gelegen, aus seinem Kopf sei Gehirnmasse ausgetreten, zwei Frauen hätten sich kreischend über den zuckenden Körper gebeugt. Man habe die beiden Frauen weggestoßen und weitere Schüsse auf den Brustkorb und den Kopf des tödlich verletzten Bin Ladin abgegeben: „Die Kugeln zerrissen ihn und hämmerten seinen Körper auf den Boden, bis er reglos war“, schreibt Bissonette.

Bissonette, der inzwischen mehrere Interviews gegeben hat und sich sogar vom Fernsehsender CBS vor der Kamera befragen ließ - freilich mit einem vom Maskenbildner vollständig veränderten Gesicht -, hat versichert, er verfolge mit seiner Buchveröffentlichung weder kommerzielle noch gar politische Absichten. Die Verkaufserlöse, die in die Millionen gehen werden - eine baldige Verfilmung kann als sicher gelten -, kommen zum großen Teil einer Stiftung für verwundete Soldaten zugute.

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Bissonettes Schilderung erhärtet den Verdacht, dass der Auftrag an „Team Six“ von Beginn an war, Bin Ladin zu töten und eine Festnahme erst gar nicht zu versuchen. Wohin hätte er denn auch gebracht und wo eingesperrt, wo und wie hätte er vor Gericht gestellt werden sollen? Guantánamo kam nicht in Frage. Bissonette sagt außerdem, ihn hätten die vielen Informationen über die geheime Kommandoaktion erzürnt, die aus dem Weißen Haus „durchgesickert“ seien - um Präsident Barack Obama als entschlossenen Führer im Kampf gegen den Terrorismus darzustellen. „Sogar Berichte, die angeblich aus erster Hand sein sollten, waren falsch“, schäumt Bissonette: „Und wenn mein Oberbefehlshaber kein Problem hat (über die geheime Operation) zu reden, dann kann ich das wohl auch.“

Quelle: dpa

 
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