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Todesstrafe US-Gouverneur begnadigt alle Todeskandidaten in Illinois

11.01.2003 ·  Erst am Freitag hatte Gouverneur George Ryan vier zum Tode verurteilte Gefangene begnadigt und drei von ihnen auf freien Fuß gesetzt.

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Kurz vor seinem Ausscheiden aus dem Amt will der Gouverneur von Illinois alle 156 zum Tode verurteilten Gefangenen des US-Staates zu lebenslanger Haft begnadigen. Wie sein Sprecher am Samstag in Chicago erklärte, entschloss sich Gouverneur George Ryan am Vorabend zu diesem Schritt.

Der am Montag aus dem Amt scheidende Gouverneur hatte 2000 ein Moratorium über Exekutionen in Illinois verhängt. In den letzten Monaten prüfte er außerdem Gnadengesuche von mehr als 140 zum Tode verurteilten Häftlingen. Erst am Freitag hatte Ryan vier zum Tode verurteilte Gefangene begnadigt und drei von ihnen auf freien Fuß gesetzt. Die Häftlinge saßen zwölf bis 17 Jahre in der Todeszelle und hatten erklärt, die Polizei habe von ihnen mit Folter falsche Geständnisse erpresst.

"Ich glaube, dass die Verurteilten unschuldig sind"

Ryan erklärte, er begnadige die vier, weil sie fälschlicherweise vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt worden seien. „Ich habe diese Fälle überprüft, und ich glaube, dass hier Unrecht geschehen ist und die Verurteilten unschuldig sind“, erklärte Ryan. Der vierte Begnadigte muss noch eine Haftstrafe in einem anderen Fall verbüßen.

Ryans Sprecher Dennis Culloton erklärte, der Gouverneur habe nur in wenigen der 156 Fälle Zweifel an einer Begnadigung gehabt. Letztlich sei er aber zu dem Schluss gekommen, dass nur die Begnadigung aller die richtige Entscheidung sei. Die Familien der Mordopfer habe er über seinen geplanten Schritt informiert.

Ungenaues, ungerechtes Justizsystem

Am Freitag hatte Ryan in einer einstündigen Rede erklärt, das Justizsystem sei „ungenau, ungerecht und nicht in der Lage, die Unschuldigen von den Schuldigen zu unterscheiden, und zeitweise sehr rassistisch“. Frühere Insassen von Todeszellen hatten im Dezember auf einer Veranstaltung in Illinois auf Missstände bei der Verhängung der Todesstrafe hingewiesen.

Die 40 ehemaligen Todeskandidaten aus den gesamten USA hatten Ryan aufgefordert, alle zum Tode Verurteilten zu lebenslanger Haft zu begnadigen. In jüngster Zeit häuften sich die Fälle, in denen mit Hilfe von DNS-Analysen Justizirrtümer aufgedeckt wurden. Insgesamt 90 Todesurteile wurden im vergangenen Jahr aufgehoben oder in Haftstrafen umgewandelt. Landesweit wurden 2002 insgesamt 71 Menschen hingerichtet.

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