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Todesstrafe Gouverneur Ryan - Kämpfer gegen die Todesstrafe „wider Willen“

12.01.2003 ·  Als Republikaner aus dem amerikanischen Mittelwesten ist George Ryan ein ungewöhnlicher Kämpfer gegen die Todesstrafe.

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Als Republikaner aus dem amerikanischen Mittelwesten ist George Ryan ein ungewöhnlicher Kämpfer gegen die Todesstrafe. Dennoch hat der 68-Jährige mit der Begnadigung aller 157 Insassen der Todeszelle zwei Tage vor seinem Amtsende Geschichte geschrieben. Kein Politiker vor ihm hat seit Wiedereinführung der Todesstrafe in den USA 1976 eine so weit reichende Begnadigung ausgesprochen und das Rechtssystem so vernichtend kritisiert.

Als Ryan sein Amt vor vier Jahren antrat, standen die Reform des Rechtssystems und die Todesstrafe nicht auf seiner Prioritätenliste. „Die Todesstrafe war gar nicht auf dem Radar“, räumte Ryan ein. Der Apotheker hatte seine ganze politische Karriere im Parlament und der Regierung von Illinois zugebracht. Seinen Mitarbeitern galt er als einer, der zupackt, wo es brennt. „Ein Praktiker, kein Ideologe“, sagt der Politikprofessor der Universität Illinois, Dick Simpson.

Medien brachten die Todesstrafe in den Fokus

Journalistikstudenten und Lokalzeitungen zwangen Ryan jedoch gleich nach Amtsantritt, das Problem der Todesstrafen anzupacken. Eine Studentengruppe bewies mit Hilfe eines Privatdetektivs die Unschuld des 1983 zum Tode verurteilten Anthony Porter. Die Zeitungen deckten zahlreiche haarsträubende Versäumnisse bei den Todesstrafen-Prozessen auf.

Als erster Gouverneur verhängte Ryan daraufhin vor drei Jahren ein Moratorium auf die Vollstreckung der Todesstrafe. Zwölf Menschen waren in den vorherigen 22 Jahren hingerichtet worden. Ryan richtete eine Kommission ein, die sich alle Todesurteile anschaute. 13 hielten einer genauen Prüfung nicht stand. Ryan schwor, das System auf Herz und Nieren zu prüfen. Die Kommission kam im Herbst zu dem Schluss, dass das Rechtssystem von Illinois nicht garantieren kann, dass kein Unschuldiger zum Tode verurteilt wird. Ergebnis war die Begnadigung aller Insassen der Todeszellen am Samstag.

Kritik: Todesstrafendebatte lenkt von anderen Problemem ab

Kritiker werfen dem Gouverneur vor, er habe mit seinem Einsatz für die Todeskandidaten von seinen eigenen Problemen mit dem Gesetz ablenken wollen. Ryan ist in einen Bestechungsskandal verwickelt, der in seiner Zeit als Innenminister des Bundesstaates passierte. Staatsanwälte haben eine Anklage nach seinem Ausscheiden aus dem Amt nicht ausgeschlossen.

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