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Tibet und Olympia Mündige Athleten?

18.03.2008 ·  Wenn die Sportler bei den Olympischen Spielen öffentlich ihre Sympathie für Tibet bekunden dürften, bekäme ihre Teilnahme auch politisch einen Sinn. Aber Zweifel sind angebracht. Und dafür ist zur Abwechslung einmal nicht der chinesische Repressionsapparat verantwortlich.

Von Peter Sturm
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Der dümmste Satz in der Diskussion über einen möglichen Boykott der Olympischen Spiele in Peking kam von einem Sportfunktionär. Thomas Bach, Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees, sagte, man solle die Spiele „nicht unnötig politisieren“. Einem Anwalt wie Bach darf man zutrauen, dass er seine Worte wägt.

Es wäre nun spannend zu wissen, ob der oberste deutsche Sportpolitiker auch glaubt, was er damit indirekt gesagt hat, dass die Olympischen Spiele nämlich eine an sich unpolitische Veranstaltung seien. Das waren sie nie. Als Beleg dafür muss man gar nicht auf 1936 verweisen. Vielmehr braucht man nur ein halbwegs gutes Gedächtnis, um sich an den Jubel zu erinnern, der 1980 bei den Winterspielen in Lake Placid aufkam, als die amerikanische Eishockeymannschaft den „Erzfeind“ Sowjetunion geschlagen hatte und Gold gewann.

Thomas Bach ist gegen einen Boykott der Pekinger Jubelveranstaltung. Diese Meinung muss er von Amts wegen vertreten; es spricht ja auch einiges dafür. Aber auch hier wüsste man gerne Genaueres. Bach spricht von „mündigen Athleten“, die man nach Peking schicken wolle. Die sollten ihre Meinung vertreten. Wenn es wirklich so käme, wenn deutsche Sportler in Peking öffentlich ihre Sympathie zum Beispiel für die Tibeter bekunden dürften, dann bekäme ihre Teilnahme an diesen Spielen auch politisch einen Sinn.

Aber da sind Zweifel angebracht. Und dafür ist zur Abwechslung einmal nicht der chinesische Repressionsapparat verantwortlich. Die internationalen Sportpolitiker verbieten den Athleten offene politische Demonstrationen. Die britische olympische Gesellschaft ist sogar so weit gegangen, ihren Olympiakandidaten einen „Vertrag“ vorzulegen, in dem die sich dazu verpflichten sollten, sich in Peking nicht öffentlich zu politischen Themen zu äußern. Dieser Maulkorberlass soll zwar abgeschwächt werden. Allein die Absicht lässt tief blicken.

Wenn der „mündige Athlet“ so aussieht, dann allerdings hat es keinen Sinn, nach Peking zu fahren und so zu tun, als sei Olympia eine Sache, die Unterdrückung von Menschen in Tibet und anderswo eine ganz andere. Erst wenn Medaillengewinner den Mut aufbringen, ihre Erfolge den Unterdrückten, Drangsalierten und Kolonisierten zu widmen, und wenn „ihre“ Funktionäre sie dafür dann nicht bestrafen, erübrigen sich die Boykottaufrufe.

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Jahrgang 1958, Redakteur in der Politik.

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