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Thema & Lektüre Bücher zum 11. September

05.09.2002 ·  Bücher, die sich mit dem 11. September beschäftigen, mit brisanten Thesen und warnenden Stimmen. Eine Auswahl von FAZ.NET.

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Zum Jahrestag des 11. September erscheinen auf dem deutschen Buchmarkt erstaunlich wenige Bücher. War wirklich schon alles gesagt? Hier noch einmal Lektüre-Tipps aus der Zeit direkt nach dem Ereignis.

Peter Sloterdijk: Luftbeben

In „Luftbeben", Peter Sloterdijks jüngstem Buch, geht es um das Wesen des Terrors. Der Terror sei ein „Merkmal des zwanzigsten Jahrhunderts“. Er ziele nicht mehr auf den Körper eines Menschen, sondern auf dessen Lebensbedingungen. (“Luftbeben. An den Wurzeln des Terrors“. 80 Seiten, Suhrkamp Verlag, Frankfurt 2002, EUR 7,-)

Noam Chomsky: The Attack

Noam Chomsky bezichtigt in seinem Buch "The Attack" (91 Seiten, Europa Verlag, Hamburg 2002, EUR 9,90) Amerika der Heuchelei. Die Vereinigten Staaten hätten sich selber zahlreicher terroristischer Akte schuldig gemacht. Am 11. September sei „der Spieß einmal herum gedreht worden“. Chomsky hält die Vergeltungshaltung der Amerikaner für moralisch bedenklich. Gegen Terrorismus müsse gesetzlich vorgegangen werden.

Wolfgang Sofsky: Zeiten des Schreckens

Wolfgang Sofsky untersucht den Terror soziologisch. Er versucht, verschiedene Formen der Gewalt aus ihrer historischen Entwicklung heraus zu deuten (“Zeiten des Schreckens. Amok, Terror, Krieg“. 256 Seiten, Fischer Verlag, Frankfurt 2002, EUR 19,90).

Caleb Carr: Terrorismus - Die sinnlose Gewalt

Der Amerikaner Caleb Carr analysiert in „Terrorismus - Die sinnlose Gewalt“ (224 Seiten, Wilhelm Heyne Verlag, München 2002, EUR 14,95) die Geschichte des Terrorismus'. Terrorismus sei eine Art der Kriegsführung gegen Zivilisten mit dem Ziel, den Willen des Volkes zu brechen. Der Autor verbucht auch staatliche Aktionen der Vereinigten Staaten - wie den Atombombenabwurf der Amerikaner über Japan oder den zweiten Golfkrieg als Terrorismus. Er sagt jedoch auch, dass Krieg und Terrorismus nur mit Krieg bekämpft werden könnten.

André Glucksmann: Dostojevski à Manhattan

Der französische Philosoph André Glucksmann befürchtet eine „schleichende Nihilisierung“ der Welt. In seinem Buch „Dostojevski à Manhattan“ (280 Seiten, Editions Robert Laffont, EUR 21,-) setzt er sich kritisch mit Fukuyama und Huntington auseinander. Am 11. September 2001 sei es nicht zum Huntingtonschen Clash der Kulturen gekommen. Die Konflikte der letzten zehn Jahre hätten sich innerhalb von Zivilisationen abgespielt, nicht zwischen ihnen. Auch fehle es den Thesen der vielzitierten Autoren an „abendländischem Denken“.

Jean-Charles Brisard/Guillaume Dasquié: Die verbotene Wahrheit

Das Buch beruht auf Geheimdienst-Dokumenten: Brisard und Dasquié beschreiben in „Die verbotene Wahrheit“ (284 Seiten. Pendo Verlag, Zürich 2002, EUR 18,90) die Verbindungen der Amerikaner mit den afghanischen Mudschaheddin, mit Bin Ladin und den Taliban. Die Autoren wollen zeigen, dass Bin Ladin ein „Partner“ des Westens war, bevor er dessen gefährlichster Feind wurde.

Hans Krech, „Der Afghanistan-Konflikt 2001“

(262 Seiten, Verlag Dr. Köster, Berlin 2002, EUR 31,80)

Ein Handbuch mit Hintergrundberichten vom 11. September bis ins Frühjahr 2002. Nahostexperte Krech glaubt, dass Bin Ladin nicht allein für die Anschläge verantwortlich ist. Al Qaida habe sich bereits 1998 mit dem Irak verbündet, dessen Diktator Saddam Hussein mit dem saudischen Königshaus verfeindet ist. Die Anschläge, so die These des Autors, waren daher nicht nur gegen Amerika gerichtet, sondern auch gegen Saudi-Arabien, den engen Verbündeten der Vereinigten Staaten.

Das Bändchen „Nach den Taliban“ (Michael Pohly/Kalid Durán: Nach den Taliban. 160 Seiten, Econ Ullstein List Verlag, München 2002, EUR 6,95) beschreibt, wie Afghanistan zwischen internationalen Machtinteressen und innerafghanischen Rivalitäten in 23 Jahren aufgerieben wurde. Die Autoren, beide Afghanistan-Kenner, diskutieren Wege, wie das Land Frieden finden könnte.

Roland Jacquard: Die Akte Osama Bin Laden

Der französische Terrorismus-Experte Roland Jacquard hat ein Buch über Usama bin Ladin und seine Anhänger geschrieben, das ahnen lässt, was uns blühen könnte. Ob Bin Ladin überhaupt noch am Leben ist, kann zwar nicht mit Sicherheit gesagt werden, doch auch ohne die Führung des „Erzterroristen“ bleibt Al Qaida gefährlich. Das Buch basiert auf bislang unzugänglichen Geheimdienstakten.

Jacquard schildert die internationalen Verflechtungen des von Bin Ladin gegründeten Terrornetzes Al Qaida. Er beschreibt, wie es organisiert ist und finanziert wird. Auch Bin Ladins Leben wird ausführlich erzählt. (“Die Akte Osama Bin Laden. Das geheime Dossier über den meistgesuchten Terroristen der Welt“. 366 Seiten, Econ Ullstein List Verlag, München 2001, EUR 22,-)

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