28.09.2004 · Wegen Beihilfe zum versuchten Mord in 32 Fällen hat das Oberlandesgericht Stuttgart die mutmaßliche Terroristin verurteilt. Klump soll bei einem Anschlag auf einen Reisebus mit jüdischen Auswanderern 1991 in Budapest beteiligt gewesen sein.
Wegen Beihilfe zum versuchten Mord in 32 Fällen hat das Oberlandesgericht Stuttgart die mutmaßliche Linksterroristin Andrea Klump zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwölf Jahren verurteilt. Damit entsprach das Gericht am Dienstag dem Antrag der Bundesanwaltschaft. Klump hatte Kenntnis von einem Anschlag auf einen Reisebus mit jüdischen Auswanderern am 23. Dezember 1991 in Budapest.
Die Angeklagte selbst hatte in dem Prozeß jede Beteiligung an dem Anschlag bestritten, aber gestanden, davon gewußt zu haben. In einem Teilgeständnis gab Klump zu, ihren ehemaligen Lebensgefährten Horst Ludwig Meyer logistisch unterstützt zu haben. Die 47-Jährige hatte nach eigener Aussage Meyers Haushalt geführt, konspirative Wohnungen angemietet und Zugverbindungen in osteuropäische Länder erkundet. Die Ermittler konnten Klumps Beteiligung im Jahr 2001 durch eine DNA-Spur auf der Bettwäsche in der Budapester Wohnung nachweisen.
„Menschenverachtende Terrortat“
Bei dem Anschlag waren sechs Menschen verletzt worden. Die ferngezündete Bombe war wenige Sekunden zu früh detoniert. Deshalb war nicht der Bus der Auswanderer, sondern ein voraus fahrendes Begleitfahrzeug der ungarischen Polizei getroffen worden. Zwei Polizisten erlitten schwerste Verletzungen, vier Businsassen wurden leicht verletzt.
Der Vorsitzende Richter Udo Heissler sagte, die Angeklagte Klump sei zwar nicht unmittelbar daran beteiligt gewesen. Als Lebensgefährtin Meyers habe sie dazu aber „die Hand gereicht“. Den Anschlag bezeichnete der Richter als „ungeheuerliche und menschenverachtende Terrortat“. Zu Gunsten Klumps wertete Heissler das Teilgeständnis, die lang zurück liegende Tatzeit, ihre geringe Tatbeteiligung und ihre Abhängigkeit zu Meyer als „beherrschendes Tatmotiv“.
Klump hatte RAF-Mitgliedschaft bestritten
In die Strafe wurde eine frühere Verurteilung zu neun Jahren Haft wegen eines versuchten Anschlages auf einen Nato-Stützpunkt im spanischen Rota im Jahr 1988 mit einbezogen. Die Verteidigung hatte keinen konkreten Strafantrag gestellt, aber eine geringere Strafe als die Anklagebehörde gefordert. Ob Klump das Urteil annimmt, ist nach Aussagen ihres Verteidigers Elard Biskamp noch nicht klar.
Klump war 1999 in Wien verhaftet worden. Ihr Lebensgefährte Horst Ludwig Meyer wurde bei der Festnahme von der Polizei erschossen. Klump wurde nach Deutschland ausgeliefert und dann 2001 wegen des versuchten Sprengstoffanschlags in Rota verurteilt. In diesem Prozeß war der Vorwurf der Mitgliedschaft in der Roten-Armee-Fraktion fallen gelassen worden. Klump selbst hatte eine RAF-Mitgliedschaft stets bestritten.