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Terrorismus Sauerland-Gruppe hält an bewaffnetem Kampf fest

03.08.2009 ·  Die mutmaßlichen Terroristen der Sauerland-Gruppe haben sich in ihren Aussagen gegenüber dem Bundeskriminalamt offenbar nicht vom Heiligen Krieg distanziert. „Dschihad ist Pflicht“, soll der Angeklagte Adem Yilmaz Beamten gesagt haben.

Von Markus Bickel
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Adem Yilmaz, einer der mutmaßlichen Terroristen der sogenannten Sauerland-Gruppe, soll sechs Männer in Terrorausbildungslager in Pakistan vermittelt haben. Nach Informationen des Frankfurter Oberlandesgerichts waren darunter zwei vor dem dortigen Staatsschutzsenat Angeklagte, Omid S. und Hüseyin Ö., sowie dessen Bruder Bekir Ö.

Auch der im März 2008 als erster deutscher Selbstmordattentäter bei einem Anschlag in Afghanistan umgekommene Cuneyt Cifti sei von Yilmaz nach Pakistan geschleust worden, sagte der Vorsitzende Richter unter Berufung auf Verhörprotokolle, die Beamten des Bundeskriminalamtes (BKA) im Juli nach Vernehmung der vier Mitglieder der Sauerland-Gruppe angefertigt hatten.

Terrorstrukturen „bis ins Detail“ offengelegt

Der Prozess vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf wird am kommenden Montag mit der Verlesung der Verhörprotokolle fortgesetzt. Nach dem Frankfurter Staatsschutzsenat sind darin die „gesamten Strukturen“ der Islamischen Dschihad Union (IJU) offengelegt worden. Die Bundesanwaltschaft wirft den Männern vor, Mitglied dieser 2004 mit Anschlägen in Usbekistan erstmals in Erscheinung getretenen Terrororganisation zu sein. „Bis ins Detail geschildert“ hätten die Mitglieder der Sauerland-Gruppe außerdem, wie sie in Terrorausbildungslagern der IJU in Pakistan geschult worden seien. Voraussetzung für die Aufnahme in die IJU sei nach den Verhörprotokollen das Leisten eines Treueschwurs gewesen.

Mindestens zwei der im September 2007 im sauerländischen Medebach-Oberschledorn Festgenommenen zeigen in ihren Aussagen offenbar keine Reue. So berichtet die Zeitschrift „Focus“, dass Yilmaz den BKA-Beamten gesagt habe, auch in Zukunft für einen muslimischen Gottesstaat kämpfen zu wollen: „Dschihad ist Pflicht.“ Es dürften allerdings keine Unschuldigen getötet werden. Auch Terroraktionen in Deutschland wolle Yilmaz nicht mehr verüben, weil ihn das ins Gefängnis gebracht habe. Yilmaz' Anwalt wollte den Bericht nicht bestätigen. Bei der Fortsetzung des Verfahrens in Düsseldorf würden die Aussagen aber wahrscheinlich erörtert, sagte er.

Zuvor hatte schon das Frankfurter Oberlandesgericht Yilmaz unter Verweis auf die BKA-Protokolle mit den Worten zitiert, er habe nach seiner Haftentlassung weiter vor, „in den Dschihad zu ziehen“. Auch der ebenfalls vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung angeklagte Attila Selek strebt offenbar danach, am Ende einer wahrscheinlichen Haftstrafe den „Heiligen Krieg“ fortzuführen. Allerdings sehe er seine Aufgabe nicht in Afghanistan oder Deutschland, sondern in Tschetschenien, sagte der Richter in Frankfurt.

Türkischer V-Mann gab Geheimnisse weiter

Abgefangene E-Mails hätten zudem gezeigt, dass Begriffe wie „Heimatland“ und „Vaterland“ als Synonyme für „Terrorlager“ und „Ausbildungslager“ verwendet wurden. „Der Bruder ist angekommen“, habe ein Mittelsmann in Pakistan Yilmaz auf eine entsprechende Nachfrage geantwortet. Die vier Angeklagten der Sauerland-Gruppe um den mutmaßlichen Rädelsführer Fritz Gelowicz waren nach den Ermittlungen Mitglieder der IJU und wollten Bombenanschläge auf amerikanische Ziele in Deutschland verüben. Die mutmaßlichen Anschlagsvorbereitungen lösten den größten Polizeieinsatz in der Geschichte der Bundesrepublik aus.

Die Zeitschrift „Spiegel“ berichtete unterdessen, dass ein möglicher V-Mann des türkischen Geheimdienstes geheime Ermittlungsinformationen aus Deutschland an islamistische Terrorverdächtige weitergegeben habe. So soll der in Düsseldorf Angeklagte Selek gegenüber dem BKA ausgesagt haben, dass der untergetauchte Türke Mevlüt K. nicht nur der deutschen Gruppe um Gelowicz in Istanbul Zünder für einen geplanten Anschlag übergeben, sondern schon früh in Kontakt mit dem türkischen Geheimdienst gestanden habe. In zwei Fällen sei K. während eines Vorbereitungstreffens für etwa eine Stunde verschwunden und habe nach seiner Rückkehr offenkundige Insider-Informationen präsentiert. Ein Prozessbeobachter mit Kenntnis der Verhörprotokolle bestätigte das dieser Zeitung.

K. habe unter anderem die Namen von mehreren Personen aus dem Umfeld von Gelowicz gekannt, die in einem an die türkischen Behörden übermittelten vertraulichen Dossier des BKA gestanden hatten. Der türkische Geheimdienst hat nach dem „Spiegel“-Bericht gegenüber den deutschen Behörden mittlerweile informell eingestanden, K. sei tatsächlich als Informant geführt worden, allerdings nicht mehr zum Zeitpunkt der Zünderbeschaffung.

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Jahrgang 1971, Redakteur in der Politik.

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