Sonderermittler der Polizei in Italien und Deutschland haben sechs mutmaßliche Mitglieder islamischer Terrororganisationen gefasst. Sie sollen Verbindungen zum saudischen Geschäftsmann Osama Bin Laden haben, der als Drahtzieher fundamentalistischer Terrorgruppen in aller Welt gesucht wird.
Bei einer groß angelegten Aktion im Raum Mailand wurden am Donnerstag fünf Nordafrikaner gefasst, in der Gegend um Frankfurt am Main ein Algerier. Ein hoher italienischer Terroristen-Fahnder fürchtet, dass auch das G8-Gipfeltreffen im Juli in Genua bedroht sein könnte.
Anschlag in Straßburg geplant
Nach Angaben der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe gehört der vermutlich 33 Jahre alte Algerier einer Gruppe an, die zur Jahreswende 2000/2001 ein Sprengstoffattentat in Straßburg geplant habe. Eine Spezialeinheit der GSG 9, Fachleute des Bundeskriminalamtes sowie die Landespolizeien durchsuchten am Mittwoch insgesamt acht Objekte in Hessen und Bayern. Schon Ende Dezember waren vier mutmaßliche Mitglieder der Vereinigung gefasst worden. Die Gruppe habe schon begonnen, Sprengsätze herzustellen.
Der italienische Innenminister Enzo Bianco sprach von einem wichtigen Schlag gegen den Terror. Die bei Mailand Inhaftierten gehörten zur „planerischen Spitze“ einer in ganz Europa agierenden Organisation. Es handele sich um eine „sehr gefährliche Säule“ des internationalen Terrorismus. Man sei fünf weiteren Nordafrikanern auf der Spur, sagte die Mailänder Staatsanwaltschaft.
Botschaft geschlossen
Die Gruppe stehe mit dem geplanten Attentat auf die amerikanische Botschaft in Rom in Januar in Zusammenhang. Die Botschaft wurde seinerzeit für einige Tage für den Publikumsverkehr geschlossen. Damals sei ein Raketen- oder Bombenattentat vorbereitet worden.
„Diese Gruppen verfügen über ausreichende Kontakte und Logistik, um jederzeit zuschlagen zu können“, sagte der italienische Terroristenfachmann Giovanni Pelegrino. Zu ihren Zielen gehöre auch das Gipfeltreffen der sieben größten Industrienationen und Russlands (G8), zu dem Ende Juli auch Bundeskanzler Gerhard Schröder und Präsident George W. Bush nach Genua kommen.
Größter Finanzier des Terrors
Die Inhaftierten hätten vermutlich Verbindungen zu algerischen Terroristengruppen, verlautete aus italienischen Justizkreisen. Auch sie seien in das geplante Attentat in Straßburg verwickelt gewesen. Die Behörden werfen ihnen Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung und Waffenhandel vor.
Der saudische Milliardär Bin Laden gilt als einer der größten Finanziers des internationalen Terrors. Er soll sich in Afghanistan versteckt halten. Washington wirft ihm unter anderen die Bombenanschläge auf zwei amerikanische Botschaften in Nairobi und Daressalam 1998 vor, bei denen 224 Menschen ums Leben kamen.
Nach Erkenntnissen aus Karlsruhe gehört die in Deutschland agierende Gruppe einem internationalen Netzwerk von „Mujahedin“ (Gotteskämpfern) an. Diese habe in Ausbildungslagern der Al-Quaida- Bewegung von Bin Laden Kleinkriegsführung und Sprengstoffanschläge gelernt. In Deutschland habe die Gruppe Racheaktionen gegen dem Islam „feindliche“ Personen sowie gegen Einrichtungen westlicher Staaten vorbereiten sollen.