Vier am Wochenende auf den Kanarischen Inseln festgenommene marokkanische Islamisten sind von der Polizei nach Madrid gebracht worden und sollen in den nächsten Tagen einem Untersuchungsrichter vorgeführt werden. Die vier Männer, die der radikalen "Gruppe islamischer marokkanischer Kämpfer" angehören sollen, werden verdächtigt, auf Lanzarote einen "Brückenkopf" für Terroristen mit dem Ziel weiterer Attentate in Spanien aufgebaut zu haben.
Als ihr Führer gilt der 41 Jahre alte Hassan el Haski, der auch auf eine mögliche Beteiligung an den Madrider Anschlägen vom 11. März hin überprüft werden soll. Nach spanischen Medienberichten bringt ihn die niederländische Polizei auch mit dem Mord an dem Filmemacher Theo van Gogh in Verbindung.
Weitverzweigte terroristische Kontakt
Die übrigen drei Festgenommenen sind der 36 Jahre alte Imam der Moschee in dem Ferienort Puerto del Carmen, Abdallah Mourib, der 31 Jahre alte Saharaui Ali Fahimi und der 40 Jahre alte Brahim El Hammouchi. Die spanische Polizei stellte in ihren Wohnungen umfangreiches Dokumenten- und Computermaterial sicher. Sprecher der Behörden werteten die Festnahme als Zeichen für die erfolgreiche Arbeit der Sicherheitskräfte bei der Terrorismusbekämpfung und zugleich als Beleg für das unveränderte "hohe Risiko" von Attentaten islamistischer Gewalttäter.
Das Quartett von Lanzarote, das weitverzweigte Kontakte zu der Terrororganisation Al Qaida und terroristischen Zellen auf dem europäischen Festland von Spanien bis Deutschland unterhalten haben soll, fühlten sich im Umkreis von mehreren hundert auf Lanzarote arbeitenden Marokkanern und den dortigen drei Moscheen offenkundig relativ sicher. Ihre Festnahme wurde von den Madrider Ermittlungsrichtern Garzón und del Olmo angeordnet, die für Delikte radikaler Islamisten und die Aufklärung der Verbrechen vom 11. März zuständig sind.
Verbindung mit Ermordung van Goghs?
Die Gruppe islamischer Kämpfer wird von Fachleuten als Teil der Salafistenbewegung in Nordafrika mit Zweigen in Marokko, Algerien, Libyen und Ägypten mit engen internationalen Al-Qaida-Verbindungen beschrieben. Die Gruppe wurde offenbar von marokkanischen "Afghanistan-Veteranen" Anfang der neunziger Jahre in Pakistan gegründet. Zu ihnen gehören nach spanischen Informationen Sprengstoffachleute und Personen mit Kenntnissen über biologische und chemische Waffen. Als Terrorziele vermutet die Polizei auf Grundlage des entdeckten Materials Züge, Fußballstadien, öffentliche Gebäude wie den Sitz des Nationalen Gerichtshofs in Madrid und ein Kernkraftwerk. Der Gruppe wird auch die Urheberschaft an dem Attentat auf das "Haus Spaniens" im vorigen Jahr in Casablanca angelastet.
Die spanische Zeitung "ABC" berichtete am Sonntag, daß die niederländische Polizei Hassan el Haski mit dem Van-Gogh-Mord vom 2. November in Verbindung bringe. Sie habe gegenüber der spanischen Polizei den Verdacht geäußert, daß der Marokkaner jenes Verbrechen in seiner Funktion als Chef der marokkanischen islamischen Kampfgruppe für Europa geplant und angeordnet habe. Wieder hätten aufgefangene Gespräche auf dem Handy auf die Spur dieses Islamisten geführt. El Haski habe dabei den gleichen Decknamen benutzt wie ein in London inhaftierter Al-Qaida-"Imam". Er habe im übrigen keinen festen Wohnsitz gehabt, sondern sich häufig zwischen Deutschland, den Niederlanden und Belgien bewegt. Aus den Geheimdiensten eines dieser drei Länder sei vor den Festnahmen auf Lanzarote ein entscheidender Hinweis für die spanische Polizei gekommen.