13.06.2004 · Einer der mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge von Madrid lebte jahrelang im Saarland. Wurden die Attentate in Deutschland geplant? Die Bundesanwaltschaft glaubt nicht daran.
Der Hauptverdächtige für die Terroranschläge auf Nahverkehrszüge in Madrid lebte mindestens zwei Jahre in Deutschland. Rabei Osman Sayed Ahmed sei im Frühjahr 1999 an der deutsch-französischen Grenze aufgegriffen worden, bestätigten am Samstag das Bundeskriminalamt und das saarländische Landeskriminalamt (LKA) entsprechende Medienberichte.
„Mohammed, der Ägypter", wie Ahmed von Anhängern genannt wird, ist den Behörden zufolge dann zunächst für ein Jahr in Abschiebehaft genommen worden. Danach sei er in das Lager für Asylbewerber im saarländischen Lebach gekommen. Ende August 2001, also kurz vor den Anschlägen in den Vereinigten Staaten vom 11. September, sei er von dort verschwunden und galt als vermißt. Die Behörden hatten nach den Anschlägen vom September sich verstärkt für Ahmed interessiert. Die Magazine berichten, Ahmed habe im Lager in Lebach einen Gebetsraum eingerichtet und sei durch Predigten gegen Juden und Israel aufgefallen. Ahmed wurde vor einer Woche in Mailand festgenommen und gilt als Hauptdrahtzieher der Anschläge von Madrid, bei denen 191 Menschen gestorben waren.
Neue Ermittlungen
Eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft erklärte, es gebe keine Hinweise darauf, daß sich Ahmed nach dem August 2001 die Madrider Anschläge von Deutschland aus geplant habe oder sich überhaupt noch im Land aufgehalten habe. Im April 2003 habe es wegen eines Hinweises in einem nicht-terroristischen Zusammenhang verstärkte Aufklärungsanstrengungen gegen Ahmed gegeben. Es habe aber kein Grund bestanden, ein förmliches Ermittlungsverfahren einzuleiten.
Die Sprecherin sagte weiter, seit Freitag werde nach Hinweisen italienischer Behörden auch von der Bundesanwaltschaft gegen Ahmed ermittelt. Sie hatte bereits ein Verfahren gegen andere Beteiligte eingeleitet, weil von den Anschlägen in Madrid auch eine Deutsche betroffen war.
Spanien hat Berichten zufolge nach den Anschlägen von Madrid mehrfach die deutschen Behörden um Hilfe bei der Fahndung nach Ahmed gebeten. Das saarländische LKA habe aber nur einige Telefonanschlüsse nennen könne, die Ahmed angewählt habe, berichten die Magazine. Ein Sprecher des LKA bestätigte diese Berichte nicht. Das LKA habe aber nach dem Verschwinden Ahmeds keine Spur mehr von dem Mann gehabt.
Zwei weitere Verdächtige verhaftet
Die spanischen Behörden hatten am Freitag zwei weitere Verdächtige im Zusammenhang mit den Anschlägen verhaftet. Die Bergarbeiter sollen den Sprengstoff aus Minen in Asturien für die Bomben in den Zügen geliefert haben. Ahmed selbst werden Kontakte zum Al-Qaida-Netz nachgesagt. Laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ war er zunächst in der ägyptischen Armee im Umgang mit Sprengstoff ausgebildet worden und hatte dannin Afghanistan gelebt.