22.07.2004 · Die amerikanischen Behörden haben offenbar mehrere Chancen verpaßt, die Attentäter vom 11. September festzunehmen. Ein Video zeigt, daß Terroristen die Sicherheitskontrollen ohne große Schwierigkeiten passieren konnten.
Der amerikanische Fernsehsender CNN hat am Mittwoch abend erstmals ein Video ausgestrahlt, das Attentäter der Anschläge vom 11. September auf dem Flughafen von Washington zeigt. Obwohl zwei von ihnen auf einer Fahndungsliste standen, durfte die Gruppe offenbar unbehelligt in Flug 77 der American Airlines einsteigen.
Auf der Aufnahme einer Überwachungskamera des Flughafens sind die fünf Männer zu sehen, die später das Flugzeug der American Airlines in das Verteidigungsministerium stürzten.
Majed Moqued und Khalid Almihdhar seien als erste um 07.18 Uhr am Flughafen Dulles angekommen und hätten bei den Kontrollen Alarm ausgelöst, berichtete CNN unter Berufung auf den Untersuchungsbericht zum 11. September. Erst nach einer zweiten Durchleuchtung sei Almihdhar an Bord gelassen worden. Moqued habe nach einer Nachkontrolle mit dem Metalldetektor ebenfalls passieren dürfen. Laut CNN hatten die beiden kleine Messer bei sich, die den Alarm auslösten. Taschenmesser waren damals noch in Flugzeugen erlaubt.
Kommissionsbericht: Verpaßte Chancen
Hanjour, der später das Flugzeug in das Pentagon steuerte, kam laut Bericht um 07.35 Uhr am Flughafen an und passierte die Kontrollen ohne Probleme, ebenso wie Salem Alhazmi eine Minute später. Sein Bruder Nawaf sei erst nach einer Nachkontrolle per Hand durchgelassen worden.
Die Kommission zur Untersuchung der Terroranschläge vom 11. September 2001 in den Vereinigten Staaten hatte im Januar von dem Video berichtet, jedoch war es bislang nicht öffentlich gezeigt worden.
An diesem Donnerstag will sie ihren Abschlußbericht vorlegen. Darin heißt es, vor allem Geheim- und Sicherheitsdienste hätten vor den Anschlägen mehrere Chancen verpaßt, Attentäter festzunehmen und so vielleicht einige der etwa 3000 Opfer zu retten.
Dies sagte ein mit dem Bericht vertrauter Regierungsvertreter am Donnerstag. Allerdings seien weder Präsident George W. Bush noch dessen Vorgänger Bill Clinton für diese Fehler verantwortlich.
Zusammenarbeit Al Qaidas mit Iran?
Der Bericht zähle zehn konkrete Sicherheitspannen auf, lasse aber offen, ob die Anschläge hätten verhindert werden können, hieß es. Sicher sei nach dem Bericht, daß es keine Zusammenarbeit zwischen den Attentätern des Terrornetzes Al Qaida und dem Irak gegeben hätte. Vielmehr gebe es Zeichen für engere Kontakte der Gruppe mit Iran.
„Was herausgekommen ist, sind weniger Versäumnisse auf der Präsidenten-Ebene als schwere institutionelle Versäumnisse der Regierung", sagte der Regierungsvertreter unter Berufung auf den Bericht der zehn Mitglieder umfassenden Kommission aus Republikanern und Demokraten.
Wie amerikanische Zeitungen vorab berichteten, richtet sich die scharfe Kritik des Berichtes auch gegen den amerikanischen Kongreß. Er sei seiner Aufgabe, die Terrorismusgefahr zu überwachen, nicht nachgekommen. „Die Bedrohung ist über mehr als zehn Jahre gewachsen. Sie war seit langem absehbar", sagte der demokratische Abgeordnete Jim Turner.