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Terrorgefahr in Deutschland In einem scheinbar unbedrohten Land

Zwei Monate vor der Bundestagswahl ist die Anspannung groß bei den Terrrorismusfachleuten von Regierung, Polizei und Nachrichtendiensten: Die Angst wächst, dass man die Deutschen im Wahljahr „erwischen“ will.

© AP Vergrößern Im Visier: Drohung per Video

Die Täter haben den Anschlag im Ausland vorbereitet. Eine Gruppe ist nach Berlin gereist, hat die Sprengsätze gezündet. Ein „Hit-Team“ hat in der Hauptstadt zugeschlagen, benannt nach dem englischen Wort dafür. Polizei und Verfassungsschutz wissen nichts von den Tätern. Sie gehören nicht zu den Gefährdern, die sie seit Jahren beobachten. Ihr Wissen über die radikalislamistische Szene in Deutschland hilft nicht weiter. Es ist das schlimmste Szenario, das sich Fachleute aus Politik und den Sicherheitsbehörden ausmalen, wenn sie über die Bedrohungslage für Deutschland reden.

Markus Wehner Folgen:  

Gut zwei Monate vor der Bundestagswahl ist die Anspannung groß bei den Terrorismusexperten von Regierung, Polizei und Nachrichtendiensten. Sie sind überzeugt: Al Qaida und die Taliban wollen Deutschland treffen, um es zum Rückzug aus der internationalen Koalition zu bewegen, deren Truppen in Afghanistan im Kampfeinsatz sind. Die Bundesrepublik wird als schwächstes Glied betrachtet. Wenn es gelingt, es herauszubrechen, dann, hoffen die Radikalislamisten, wird eine Kettenreaktion folgen. Die immer häufigeren Anschläge auf die Bundeswehr im afghanischen Kundus zeigen, dass der Druck erhöht wird. Dort kämpfen mehrere hundert Taliban gegen die Bundeswehr; Paschtunen aus dem Süden sind dabei, ausländische Kämpfer, etwa Usbeken.

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Die Hinweise verdichten sich

Zugleich reisen immer mehr Islamisten aus Deutschland ins afghanisch-pakistanische Grenzgebiet, um sich für zwei, drei Monate im Terrorkampf ausbilden zu lassen. Fast doppelt so viel Ausreisen militanter Islamisten mit dem Ziel Pakistan registrieren die Sicherheitsbehörden im Vergleich zum Vorjahr. Von 40 Reisen nach Pakistan allein in diesem Jahr hat man Kenntnis, oft führt der Weg über Syrien, Ägypten oder die Türkei. Manche Reisende kehren nach Deutschland zurück. Mittlerweile sind fünfzehn Prozent der Terror-Touristen deutsche Konvertiten. Ihre Zahl wächst, sie stellen heute ein Viertel der „Gefährder“, des Kerns der radikalen Islamisten-Szene. Ebenso viele stammen aus Nordafrika; auch von ihnen fahren viele nach Pakistan.

Die Reisenden in Sachen Terror sind nur ein Teil der Bedrohung. Deutschland kann auch außerhalb seiner Grenzen getroffen werden, nicht nur in Afghanistan. In Nordafrika könnte der dort operierende Zweig der Al Qaida einen Schlag gegen Deutschland führen. Neben Anschlägen auf Botschaften der Bundesrepublik befürchten die Behörden, dass deutsche Touristen entführt werden. Für deren Freilassung könnten die Entführer den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan fordern. Auch in anderen Ländern, in denen militante Islamisten Hochburgen haben, etwa dem Jemen, könnte das geschehen. Nichts von dem muss passieren. Doch die Hinweise verdichten sich, dass man die Deutschen im Wahljahr „erwischen“ will.

Ermittlungen begleiten, nicht behindern

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