13.11.2005 · Die jordanische Polizei hat nach den Terroranschlägen in Amman eine mutmaßliche Attentäterin verhaftet, deren Sprengsatz beim Anschlag nicht explodierte. Zuvor hatte Jordanien bestätigt, daß Al Qaida für die nun weitgehend aufgeklärten Anschläge verantwortlich sei.
Die jordanische Polizei hat nach vier Tagen die Selbstmordanschläge in Amman weitgehend aufgeklärt. Am Sonntag gab die Regierung bekannt, daß eine irakische Selbstmordattentäterin festgenommen worden sei, deren Sprengstoffgürtel im Hotel SAS Radisson nicht funktioniert habe. Alle vier Attentäter, darunter auch der Ehemann der Frau, stammten aus dem Irak und seien in Amman ohne jordanische Unterstützung aktiv geworden, sagte der stellvertretende jordanische Ministerpräsident Marwan Muascher am Sonntag in Amman. Die Regierung hatte zuvor bestätigt, daß die von dem Jordanier Abu Musab al Zarqawi angeführte Terrororganisation „Al Qaida im Irak“ für die Selbstmordattentate auf drei Hotels am vergangenen Mittwoch verantwortlich sei, bei denen 57 Menschen ums Leben kamen.
Am Abend sollte die festgenommene Frau, deren Name Muascher mit Sajida Mubarak al Rishai angab, im jordanischen Fernsehen ihr Geständnis wiederholen. Sie habe ihren Ehemann in den Ballsaal des Hotels SAS Radisson begleitet, in dem gerade Hochzeit gefeiert wurde, sagte Muascher. Als der Zünder des Sprengstoffgürtels unter dem Festtagskleid der Frau nicht funktioniert habe, habe sie ihr Mann aus dem Saal geschickt. Kurz darauf ließ er dann seine Bombe explodieren. Zwei andere irakische Selbstmordattentäter zündeten in zwei weiteren Hotels ihre Sprengstoffgürtel.
Attentäter kamen mit irakischem Auto aus dem Nachbarland
Nach den Angaben der Regierung waren die vier Iraker am vergangenen Wochenende mit einem irakischen Fahrzeug über die irakisch-jordanische Grenze gekommen und hatten sich in Amman eine Wohnung gemietet. Die bis zu zehn Kilogramm schweren Sprengstoffgürtel mit Granatenzündern hatten sie dabei; der besonders starke RDX-Sprengstoff enthielt Metallstücke, um seine zerstörerische Wirkung zu verstärken. Am Mittwoch abend fuhren die Terroristen dann mit Taxis in die Hotels, die sie vorher ausgespäht hatten. Die Irakerin habe ihren Sprengstoffgürtel auch noch bei ihrer Festnahme getragen.
Sie gehört offenbar einer Familie mit engen Verbindungen zu Zarqawi an. Sie sei die Schwester eines Zarqawi-Vertrauten, des „Emirs“ der Unruheprovinz Anbar, der in Falludscha getötet worden war, teilte Muascher mit. Angeblich kommen alle vier Terroristen aus dieser westirakischen Provinz, die auch an Jordanien grenzt. Die Regierung hatte lange gezögert, Medienberichte zu bestätigen, nach denen die Täter Iraker waren. Unklar war, ob dies ermittlungstaktische Gründen hatte oder daran lag, daß in Jordanien etwa eine halbe Million Iraker leben. König Abdullah hob am Wochenende hervor, daß sie „Brüder“ der Jordanier seien und Terror das Königreich nicht spalten werde. Man werde den Kampf zu Zarqawi zurücktragen.
Enger Verbündeter des Westens
Bei den Bombenanschlägen in den überwiegend von westlichen Touristen und Geschäftsleuten besuchten Hotels waren am Mittwoch 57 Menschen getötet und dutzende weitere verletzt worden. Es war eines der folgenschwersten Attentate in der jüngeren Geschichte des Landes. Die Behörden suchten landesweit nach den Drahtziehern und verhörten nach eigenen Angaben zahlreiche Verdächtige. Den Sicherheitskräften zufolge sind derzeit mindestens 100 Menschen in Gewahrsam, darunter viele Iraker.
Jordanien gilt als pro-westlich und ist einer der engsten amerikanischen Verbündeten in der Region. Zarqawi, der auch für zahlreiche Anschläge im Irak verantwortlich gemacht wird, stammt selbst aus Jordanien. Die Vereinigten Staaten haben auf ihn ein Kopfgeld von 25 Millionen Dollar ausgesetzt. Am Montag wird die amerikanische Außenministerin Condoleezza Rice in Jordanien erwartet.