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Terror in Russland : Wolgograd statt Sotschi?

Bild: F.A.Z.

Der Terror vor den Olympischen Winterspielen in Sotschi dauert an. Nach dem jüngsten Anschlag in Wolgograd hieß es, man habe den Kopf der Attentäterin entdeckt - es sei eine junge Frau aus dem islamistischen Umfeld.

          Wieder Wolgograd – und wieder ein Selbstmordanschlag. Am 21. Oktober hatte sich eine junge Frau in einem Bus in der südrussischen Stadt in die Luft gesprengt und sechs Menschen mit in den Tod gerissen; als Attentäterin machten die Behörden seinerzeit die Frau eines radikalen Islamisten aus der russischen Teilrepublik Dagestan im Kaukasus aus. Nachdem nun am Sonntagmittag eine weitere Explosion den Bahnhof von Wolgograd erschüttert hatte, wurde vermeldet, man habe den Kopf der Attentäterin entdeckt; diese sei, berichtete das Internetportal „lifenews.ru“, als eine junge Frau identifiziert worden, die zweimal mit Kämpfern des bewaffneten islamistischen Untergrunds verheiratet gewesen sei. Beide Männer seien von Sicherheitskräften getötet worden. Seit März vorigen Jahres habe sich die Spur der Frau verloren. Es sei vermutet worden, dass sie sich auf ein Selbstmordattentat vorbereite – als eine weitere „schwarze Witwe“. Die Nachrichtenagentur Interfax berichtete hingegen unter Berufung auf einen Ermittler, bei dem Attentäter vom Sonntag habe es sich um einen Mann gehandelt.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Wegen des Beginns der Neujahrsferien und weil der Flughafen von Wolgograd derzeit nicht in Betrieb sei, sollen noch mehr Reisende vor Ort gewesen sein als sonst. Die Bombe, die aus rund zehn Kilogramm Sprengstoff bestanden haben und mit Nägeln gespickt gewesen sein soll, wurde nach Angaben der Ermittler vor einer Sicherheitsschleuse zur Explosion gebracht. Aufnahmen einer Überwachungskamera, die gegenüber des Bahnhofs angebracht ist, zeigen einen großen Feuerball im Eingangsbereich des Bahnhofs. Mindestens 16 Menschen wurden getötet, Dutzende weitere schwer verletzt.

          „Satanische Tänze“

          Anfang Juli hatte der islamistische Terrorist Doku Umarow, der sich als „Emir des Kaukasus“ bezeichnet, in einer Videobotschaft mit Anschlägen auf die Olympischen Winterspiele in Sotschi gedroht. Es sei die Pflicht der Mudschahedin, die Spiele, die am 7. Februar beginnen, „mit allen von Allah erlaubten Mitteln zu verhindern“. Umarow bezeichnete die Spiele als „satanische Tänze“ auf den „Gebeinen unserer Vorfahren“ und spielte damit auf die Eroberung der Schwarzmeerküste durch die Armee des Zaren Mitte des 19. Jahrhunderts an. Damals wurde ein großer Teil der – muslimischen – tscherkessischen Bewohner der Region um Sotschi getötet oder vertrieben.

          Umarow hat sich zu den Anschlägen auf den Moskauer Flughafen Domodedowo im Januar 2011 mit 36 Toten, auf die Moskauer Metro im März 2010 mit 40 Toten und auf den Schnellzug Moskau–Sankt Petersburg im November 2009 mit 26 Toten bekannt. Doch heißt es, diverse Terrorzellen setzten Umarows Aufruf längst eigenständig in die Tat um.

          Das rund 700 Kilometer von Wolgograd (früher: Stalingrad) entfernte Sotschi sollen während der Spiele mindestens 30.000 Polizisten bewachen, auch in der Hauptstadt Moskau gelten schärfere Sicherheitsvorkehrungen. „In der Provinz können Extremisten leichter agieren“, sagte der Sprecher der Ermittlungsbehörde, Wladimir Markin, am Sonntag. Der stellvertretende Vorsitzende der Veteranenvereinigung der Anti-Terror-Einheit Alfa, Alexei Filatow, sagte, es müsse mit weiteren Anschlägen gerechnet werden. „Gerade jetzt können Terroristen den größten Eindruck schinden.“ Präsident Wladimir Putin schickte zwei Flugzeuge mit Ärzten und medizinischem Gerät nach Wolgograd. Auch ordnete er an, alle Maßnahmen zu ergreifen, um für Sicherheit zu sorgen – auch im eigenen Interesse. Denn er hat die Winterspiele zu seinem Prestigeprojekt gemacht.

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