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Terror in Nordossetien Die Chronik der Geiselnahme

03.09.2004 ·  Vom Eindringen der Terroristen ins Schulgebäude bis zur Erstürmung durch russische Sondereinsatzkräfte: ein chronologischer Überblick zu den Ereignissen in Beslan.

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Vom Eindringen der Terroristen im Schulgebäude bis zur Erstürmung durch russische Sondereinsatzkräfte: ein chronologischer Überblick zu den Ereignissen in Nordossetien.

Mittwoch, 1. September

8.19 Uhr: Ein mit Maschinengewehren, Granatwerfern und Sprengstoff bewaffnetes Kommando, darunter auch Frauen, stürmt die Schule Nr.1 in der nordossetischen Stadt Beslan, als Lehrer, Kinder und Eltern gerade den ersten Schultag nach den großen Ferien feiern. In ersten Berichten von Polizei und Augenzeugen ist von 120 bis 400 Geiseln die Rede, später nennen örtliche Regierungsvertreter die Zahl von 354 Menschen, darunter 132 Schüler. Zwei Tage später berichten freigelassene Geiseln von mehr als 1000 Menschen, die sich in der Gewalt der Geiselnehmer befinden sollen.

Mindestens zwölf Erwachsene, darunter auch einer der Geiselnehmer, werden nach ersten Angaben der Behörden getötet. Zunächst ist von 17 Terroristen die Rede, zwei Tage später sprechen die Behörden von bis zu 40 Geiselnehmern. Die Gruppe soll nach Medienberichten dem tschetschenischen Islamisten und Terroristen Bassajew unterstehen und von seinem engen Gefolgsmann Umarow geführt werden.

9.49 Uhr: Die Geiselnehmer drohen mit der Sprengung der Schule, sollten Polizei und Militär zum Sturm ansetzen. Sie fordern direkte Verhandlungen mit der Regierung der Teilrepubliken Nordossetien und Inguschien.

10.51 Uhr: Lokale Behörden nehmen telefonisch Kontakt mit dem Kommando auf, das nach Erkenntnissen des russischen Geheimdienstes aus Tschetschenen, Inguschen, aber auch aus Osseten und Russen bestehen soll. Sie fordern die Freilassung inhaftierter Rebellen in Inguschetien, die Unabhängigkeit Tschetscheniens und den Abzug der dort stationierten russischen Truppen.

11.07 Uhr: Präsident Wladimir Putin bricht seinen Urlaub in Sotschi am Schwarzen Meer ab und kehrt nach Moskau zurück.

13.58 Uhr: Nach Angaben des lokalen Polizeichefs drohen die Terroristen, für jeden getöteten Geiselnehmer 50 Kinder zu ermorden.

Donnerstag, 2. September

Nachts: Auf einer Sondersitzung fordert der UN-Sicherheitsrat die sofortige Freilassung aller Geiseln.

11.03 Uhr: Die russischen Sicherheitsbehörden schließen eine gewaltsame Befreiung der Geiseln vorerst aus. Der Einsatz von Gewalt stehe im Moment nicht zur Debatte, sagt der örtliche Chef des Inland-Geheimdienstes FSB.

12.06 Uhr: In seinem ersten Fernsehauftritt seit Beginn des Geiselnahme sagt Putin, die Angriffe zielten auf "Rußland als Ganzes" ab. Eine gewaltsame Befreiung der Geiseln lehnt er zunächst ab: "Unsere Hauptaufgabe ist es, das Leben und die Gesundheit der Geisel zu bewahren."

14.44 Uhr: Drei Frauen und ihre Säuglinge werden freigelassen.

15.12 Uhr: Insgesamt 26 Kinder und Frauen werden von den Geiselnehmern nach Verhandlungen mit dem ehemaligen Präsidenten von Inguschetien Auschew freigelassen.

Freitag, 3. September:

2 Uhr: Bei einer Schießerei mit den Geiselnehmern wird ein Polizist verletzt. In der Schule sind zwei laute Explosionen zu hören.

11 Uhr: Die Geiselnehmer erlauben nach Verhandlungen mit dem Einsatzstab die Bergung von Leichen auf dem Schulgelände. Eine am Vortag freigelassene Geisel hatte von 21 getöteten, erwachsenen Geiseln berichtet.

11.10 Uhr: An der Schule ereignen sich innerhalb einer Minute zwei schwere Explosionen.

11.14 Uhr: Einer Gruppe von etwa 30 Geiseln gelingt die Flucht aus der Schule.

11.27 Uhr: Augenzeugen berichten, daß russische Sondereinsatzkräfte gegen 11.05 Uhr mit der Erstürmung des Schulgebäudes begonnen haben. Es sind Salven von Maschinenpistolen und Explosionen zu hören.

11.35 Uhr: Der Krisenstab meldet, das Dach der Schule sei eingestürzt, die Geiselnehmer feuerten auf die aus dem Schulgebäude fliehenden Kinder; Mitglieder des Kommandos versuchten zu flüchten und würden von den Soldaten verfolgt. Auf live übertragenen Fernsehbildern sind größtenteils nur mit Unterwäsche bekleidete und verletzte Kinder zu sehen, die flüchten oder von Soldaten aus der Schußlinie zu Verbandsplätzen und Krankenwagen gebracht werden.

11.58 Uhr: Die russische Nachrichtenagentur Interfax meldet unter Berufung auf den Krisenstab, russische Sondereinsatzkräfte hätten die Schule betreten. Immer noch flüchten Menschen von dem Gelände.

12.27 Uhr: Die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass meldet, die Schule sei vollständig unter Kontrolle der russischen Spezialeinheiten. Dennoch sind weiter Schüsse und Explosionen zu hören.

12.51 Uhr: Nach Angaben der Behörden wurden 250 Geiseln verletzt, unter ihnen 180 Kinder. Später ist von 400 Verletzten die Rede. Nach Medienberichten wurden fünf Geiselnehmer getötet.

13.24 Uhr: Alle Geiseln seien aus der Schule gebracht worden, meldet Interfax. Etwa 13 Geiselnehmer seien entkommen und hätten sich einem Wohngebäude verschanzt. Bei ihrer Flucht lieferten sich die Terroristen Gefechte mit Polizei und Armee.

15.05 Uhr: Der britische Nachtensender ITV News berichtet von bis zu 100 Leichen in der Turnhalle der gestürmten Schule. Auch der amerikanische Fernsedhsender CNN spricht von vielen Toten in der Halle.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung
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