02.09.2006 · Die mißlungenen Anschläge auf zwei Regionalzüge der Deutschen Bahn Ende Juli sollten nach einem Zeitungsbericht schon während der Fußball-WM verübt werden. Auslöser für die Kofferbomber sei die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen in deutschen Zeitungen gewesen.
Die mißlungenen Anschläge auf zwei Regionalzüge der Deutschen Bahn Ende Juli sollten nach einem Zeitungsbericht schon während der Fußball-WM verübt werden. Das habe sich bei der Vernehmung der Verdächtigen herausgestellt, berichtet die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ unter Berufung auf Sicherheitsbehörden. Daß der Plan verschoben wurde, hätten die mutmaßlichen Täter damit begründet, daß ihnen Bedenken über die Risiken und Auswirkungen gekommen seien.
Unterdessen haben die Ermittler auch über die Motive der mutmaßlichen Attentäter Erkenntnisse gewonnen. Der Chef des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, sagte dem Nachrichtenmagazin „Focus“, die „Initialzündung“ für die Kofferbomber sei die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen in deutschen Zeitungen gewesen. „Der in Kiel gefaßte Youssef el Hajdib interpretierte dies als Angriff der westlichen Welt auf den Islam.“
Wahrscheinlich keine Auslieferung nach Deutschland
Ein weiteres Motiv sei der Tod des Top-Terroristen Abu Mussab al- Sarkawi am 7. Juni im Irak gewesen. „Die beiden Hauptverdächtigen glaubten, daß der internationale Terrorismus einen seiner wichtigsten Köpfe verloren hatte“, erklärte Ziercke. Der BKA-Chef bezog sich dabei auf Aussagen des im Libanon inhaftierten mutmaßlichen Mittäters Jihad Hamad.
Der libanesische Generalstaatsanwalt klagte am Samstag fünf libanesische und einen syrischen Staatsbürger an. In der Anklage wird den Beschuldigten vorgeworfen, „Massenmord“ organisiert zu haben, in dem sie Explosionen in deutschen Zügen geplant hätten. Vier der Angeklagten befinden sich in libanesischer Haft, zwei weitere sind in Deutschland inhaftiert.
Nach einem Bericht von „Focus online“ will der Libanon die mutmaßlichen Täter nicht nach Deutschland ausliefern. „Es sind libanesische Staatsbürger, ihnen muß hier der Prozeß gemacht werden, und sie müssen hier ihre gerechte Strafe absitzen“, sagte Generalstaatsanwalt Said Mirza. Er forderte die Auslieferung der beiden in deutschen Gefängnissen in Untersuchungshaft sitzenden Tatverdächtigen. Den Beschuldigten drohen nach seinen Angaben im Libanon Haftstrafen von bis zu 25 Jahren. Den Tatverdächtigen standen dem Bericht zufolge während des Ermittlungsverfahrens keine Anwälte zur Seite.