Home
http://www.faz.net/-gpf-weqi
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Technik So funktioniert die automatische Kennzeichenkontrolle

11.03.2008 ·  Die automatischen Kennzeichenlesesysteme der Polizei können mehrere tausend Fahrzeuge je Stunde erfassen, und das auch über mehrere Fahrspuren hinweg. Sie arbeiten mit Infrarotlicht, damit sie auch bei Nacht und Nebel funktionieren und nicht bemerkt werden.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Ein Automatisches Kennzeichenlesesystem (AKLS) kann mehrere tausend Fahrzeuge in einer Stunde erfassen, und das auch über mehrere Fahrspuren hinweg. Dabei werden - ohne besonderen Anlass oder Verdacht - alle Fahrzeuge mit einer Digitalkamera fotografiert, die jede halbe Sekunde ein Bild aufnehmen kann. Es handelt sich um stationäre Kameras oder mobile Systeme, die am Straßenrand aufgestellt oder aus fahrenden Polizeiwagen heraus eingesetzt werden. Entweder ermittelt ein Sensor die optimale Entfernung zum Fahrzeug und löst dann die Kamera aus oder eine Software identifiziert das beste Foto aus einer Reihe von Aufnahmen. Mit der Technik lässt sich laut Polizei fast jedes Fahrzeug identifizieren. Nur wenn etwa ein Pkw dicht hinter einem Lkw fährt, kann es zu Ausfällen kommen.

Die Software muss zunächst das Nummernschild eines Fahrzeugs auf dem Bild erkennen können. Dann werden dessen Buchstaben und Ziffern isoliert, wobei Filter die Bildqualität verbessern und Fehler wie etwa Unschärfen beseitigen. Die eigentliche Zeichenerkennung - Optical Character Recognition, kurz: OCR - stellt erst den letzten Schritt dar. Sie funktioniert ähnlich dem Erkennungsprogramm eines Textscanners für den heimischen PC.

Versuchte Verschleierung

Die Systeme arbeiten in der Regel mit Infrarotlicht. Das hat den Vorteil, dass die Erkennung auch bei Nacht und Nebel gelingt und von den Fahrern nicht wahrgenommen wird. Zudem hatten in Hessen Datenschützer den Einsatz von Infrarotlicht verlangt, denn der führt dazu, dass die Insassen des Fahrzeugs auf den Aufnahmen nicht identifiziert werden können. Zu sehen ist dann lediglich das Kennzeichen und die Umrisse des Fahrzeugs, aus denen sich möglicherweise der Wagentyp bestimmen lässt.

Die Technik der Kennzeichenerfassung wurde in Großbritannien entwickelt und wird dort in großem Umfang eingesetzt. In der Londoner Innenstadt wird mit ihrer Hilfe die Zahlung der Innenstadtmaut kontrolliert. Die Polizei darf auf die Daten aber auch zugreifen, um die nationale Sicherheit zu gewährleisten. Mautpreller versuchen immer wieder, sich gegen die Kennzeichenerfassung zu schützen und benutzen dazu Folien oder Sprays, die die Lichtreflexion erhöhen sollen. Ob solche Maßnahmen wirken, darüber schweigt die hessische Polizei aus naheliegenden Gründen.

Viele Länder, viele Regeln

Ob und wie lange die Aufnahmen und die erfassten Kennzeichen gespeichert werden und wer diese Daten einsehen darf, hängt vom Bundesland ab. In Rheinland-Pfalz dürfen laut dem dortigen Gesetz alle erfassten Kennzeichen für zwei Monate gespeichert werden. In Hessen werden Kennzeichen und Foto hingegen zunächst nur in einem flüchtigen Speicher festgehalten und sofort mit dem Fahndungsbestand der Polizei abgeglichen. Wird das Kennzeichen dort nicht gefunden, werden die Daten sofort gelöscht. Gibt die Datenbank einen Treffer aus, wird das gesuchte Kennzeichen an einen angeschlossenen Polizeiarbeitsplatz weitergeleitet, dort von einem Polizisten geprüft und bestätigt. Erst dann wird eine Polizeistreife benachrichtigt, die das Fahrzeug kontrollieren kann. Im Falle eines Treffers werden mit dem Kennzeichen weitere Daten wie Ort und Zeit der Erfassung gespeichert.

In Deutschland gibt es technisch ähnliche Systeme zur automatischen Kennzeichenerkennung bereits in acht Bundesländern: Bayern, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein. In Baden-Württemberg soll die Methode von diesem Sommer an gestattet werden; Thüringen hatte einen Pilotversuch abgebrochen und wollte die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts abwarten, um danach eine eigene Regelung zu treffen. Zudem wird die automatische Kennzeichenerkennung schon auf Autobahnen eingesetzt, um Lkw zu erfassen, für die keine Maut gezahlt wurde. Eine Verwendung dieser Daten auch zur Verfolgung von Straftaten ist derzeit nicht erlaubt, wird aber diskutiert.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Von dir die Fregatte, von mir die Drohne

Von Thomas Gutschker

Verteidigung ist eine nationale Angelegenheit? Die Wirklichkeit hat sich längst geändert. Die Armeen der Nato-Partner müssen zusammenarbeiten. Kein Land ist mehr autark. Mehr 3 7