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Tarifstreit der Bahn Ein Konflikt zu Lasten aller

13.10.2007 ·  Die eigentliche Ursache des Konflikts ist ein Machtkampf zwischen den beteiligten Gewerkschaften. Der Bahn-Vorstand ist daher gut beraten, an einem einheitlichen Tarifvertrag im Konzern festzuhalten, meint Matthias Müller.

Von Matthias Müller
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Vordergründig scheint es bei dem nun seit Monaten andauernden Streit zwischen der Deutschen Bahn und der Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) um einen herkömmlichen Tarifkonflikt zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu gehen. Doch die eigentliche Ursache des Konflikts ist ein Machtkampf zwischen den beteiligten Gewerkschaften. Transnet und GDBA einerseits sowie GDL andererseits versuchen, ihre jeweiligen Einflusszonen auszudehnen, Mitglieder abzuwerben und damit ihren Einfluss auf die Bahn zu mehren.

Die GDL hat sich mit ihren Versprechungen, einen eigenständigen Tarifvertrag und ein Einkommensplus von bis zu 31 Prozent für das Fahrpersonal herauszuholen, weit aus dem Fenster gelehnt. Damit verglichen, sehen die von Transnet und GDBA mit der Bahn ausgehandelten Lohnsteigerungen von 4,5 Prozent bescheiden aus. Doch die beiden Moderatoren Geißler und Biedenkopf hatten der GDL nur die Verhandlungsführerschaft für die Lokführer zugeschlagen. Die Zugbegleiter, die sich in den vergangenen Monaten der GDL angeschlossen haben, fragen sich nun zu Recht: Was wird aus uns?

Es geht um mehr als um Lohnerhöhungen

Der Bahn-Vorstand ist gut beraten, an einem einheitlichen Tarifvertrag im Konzern festzuhalten. Allein unter dem Dach des letzten großen Staatskonzerns tummeln sich mehr als 20 Berufsgruppen. Im Extremfall streiken dann in einer Woche die Lokführer, in der nächsten die Zugbegleiter, anschließend die Gleisbauer. Daran kann in Deutschland niemandem gelegen sein.

Die negativen Erfahrungen Großbritanniens mit solchen Berufsstands-Gewerkschaften sollten ein mahnendes Beispiel sein. Erst mit der Wahl Thatchers im Jahr 1979 und nach erbitterten Auseinandersetzungen mit den britischen Gewerkschaften gehörte dieses System im Königreich der Vergangenheit an - und der Boden für ein dynamisches Wirtschaftswachstum war bereitet.

Es geht bei der Tarifauseinandersetzung zwischen der Bahn und der GDL also um mehr als um Lohnerhöhungen für die Beschäftigten, die mit dem von Transnet und GDBA ausgehandelten Einkommensplus von 4,5 Prozent bereits üppig ausgefallen sind. Auf dem Spiel steht neben der Wahrung der Tarifeinheit die Zukunft des Standorts Deutschlands. An seiner Schwächung sollten auch die Gewerkschaften kein Interesse haben, denn die Folgen hätten ihre Mitglieder zu tragen.

Quelle: F.A.Z., 13.10.2007, Nr. 238 / Seite 1
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