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Taliban Angeführt durch ein Phantom

 ·  Mullah Muhammad Omar, der Gründer und Führer der Taliban-Bewegung, ist geheimnisumwittert. Er gibt keine Interviews, er lässt sich nicht fotografieren, er empfängt kaum ausländische Gäste.

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Kaum eine politische Persönlichkeit ist so geheimnisumwittert wie Mullah Muhammad Omar, der Gründer und Führer der Taliban-Bewegung in Afghanistan. Er gibt keine Interviews, er lässt sich nicht fotografieren, er empfängt so gut wie keine ausländischen Gäste. Auch seine Biographie ist von Legenden umrankt, gesicherte Informationen sind rar.

Mullah Muhammad Omar wurde wahrscheinlich um das Jahr 1959 in einem Dorf in der Nähe von Kandahar als Mitglied des Ghilzai-Zweigs der Paschtunen geboren. Seine Eltern waren arme, landlose Bauern, die innerhalb der Stammeshierarchie keine Bedeutung hatten. Während der 80er Jahre siedelte seine Familie in die Provinz Urozgan über, eine der abgelegensten und ärmsten Provinzen des Landes. Nach dem frühen Tod des Vaters musste Omar die Familie ernähren und nahm deshalb im Dorf Singesar in der Provinz Kandahar eine Stelle als Mullah (Dorfgeistlicher) an. Dort eröffnete er eine kleine Koranschule, eine Madrassa.

Zahlreiche Kriegsverletzungen

Von 1989 bis 1992 kämpfte Omar gegen die sowjetischen Besatzer. Er wurde viermal verwundet und verlor im Kampf sein rechtes Auge. Nach dem Abzug der Sowjets wurde Omar Zeuge des Machtkampfes unter den Mudschahedin-Führern, die das Land zerstörten und die Bevölkerung terrorisierten. Zusammen mit ehemaligen Kampfgefährten gründete er die Taliban-Bewegung. Als Ziele legten sie fest, das Land zu befrieden, die Bevölkerung zu entwaffnen und den islamischen Charakter Afghanistans zu stärken. Ihre Kämpfer rekrutierten sie in den Koranschulen der Flüchtlingslager an der afghanisch-pakistanischen Grenze.

Gott befahl ihm, das Volk zu retten

Die Gründungslegende der Taliban besagt, dass Muhammad Omar im Traum von Gott den Befehl erhielt, die Bevölkerung zu retten. Angeblich kamen Dorfbewohner zu ihm, nachdem zwei Mädchen von Mudschahedin entführt und vergewaltigt worden waren und baten um Hilfe. Omar zog mit 30 Getreuen los, befreite die Mädchen und ließ die Täter hängen. Das erbeutete Waffenarsenal bildete die Grundlage für weitere Unternehmungen.

Unterstützung durch Pakistan und Amerika

Auf die neue Kraft im Lande wurde auch der pakistanische Geheimdienst ISI aufmerksam, der bis dahin andere Mudschahedin-Gruppen im Kampf um die Vorherrschaft in Afghanistan unterstützt hatte. Ab 1994 setzten die Pakistanis und mit ihnen die Vereinigten Staaten auf die Koranschüler als die Ordnungsmacht in dem zerrissenen Land. Die Taliban bekamen Geld, Waffen und logistische Unterstützung.

Das Machtzentrum heißt nicht Kabul

So gelang es den Taliban, am 5. November 1994 Kandahar, die zweitgrößte Stadt Afghanistans, zu erobern. Sie wurde unter den Taliban zum eigentlichen Machtzentrum. Im September fiel auch die Hauptstadt Kabul. Omar ist de facto Oberhaupt des seit Oktober 1997 „Islamisches Emirat Afghanistan“ genannten Staates, der nur von Pakistan, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten anerkannt wurde.

Der pakistanische Geheimdienst war es auch, der Usama bin Ladin bei den Taliban einführte. Dieser lebt seit 1997 in unmittelbarer Nachbarschaft zu Omar in Kandahar. Auch familiäre Beziehungen sollen zwischen den beiden bestehen. Angeblich ist Bin Ladin mit einer Tochter Omars verheiratet.

Abgeschieden in Kandahar

Omar gilt als ausgesprochen scheu. Er hat sich im Laufe der Zeit immer mehr aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und lebt abgeschieden in Kandahar. Trotzdem ist er bei allen Entscheidungen die letzte Instanz. Da er ungern reist, muss die gesamte Machtelite regelmäßig nach Kandahar zum Rapport. Besucher empfängt er Berichten zufolge auf einem Bett thronend, während diese auf dem Boden sitzen. Damit soll seine herausragende Stellung betont werden. Angeblich verwaltet er auch die Finanzen selbst. Dafür soll neben seinem Bett eine Kassette stehen, aus der er das Geld verteilt.

Führer aller Muslime

Seine uneingeschränkte Macht begründet Omar mit seiner Stellung als „Amir-al- Muminin“, Führer der Gläubigen. Im Frühjahr 1996 rief Omar eine Versammlung von 1200 Geistlichen nach Kandahar ein. Von diesen ließ er sich mit dem Titel, den die Nachfolger des Propheten Muhammad trugen, huldigen. Um seinen Anspruch zu unterstreichen, trug er dabei einen Mantel, der angeblich Muhammad gehört haben soll und der in einem Schrein in Kandahar aufbewahrt wird. Mit seinem Auftritt brachte Omar zum Ausdruck, dass er nicht nur weltlicher Herrscher sein will, sondern auch religiöse Autorität beansprucht, sich nicht nur als Führer der Afghanen, sondern aller Muslime versteht.

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