01.05.2011 · Als wäre nichts gewesen: Auf den Kundgebungen zum 1. Mai stehen SPD und DGB wieder Seit‘ an Seit‘. Sie rufen nach Mindestlohn, Kohlekraft und - modernen Bahnhöfen. Denn sie haben einen neuen Gegner.
Von Majid SattarVor nicht so langer Zeit verfinsterten sich in der SPD-Zentrale die Mienen, wenn nur der Name Michael Sommer fiel. Mit demonstrativer Freundlichkeit gegenüber der Kanzlerin reizte der DGB-Vorsitzende die Genossen. Hatte die Schrödersche Agenda-Politik die SPD von den Gewerkschaften entfremdet, sorgte Münteferings „Rente mit 67“ endgültig für den Bruch in der einstigen Arbeiterbewegung.
Sigmar Gabriel kann als dessen Nachfolger im Parteivorsitz gewiss noch nicht viel vorweisen. Das Verhältnis zum DGB indes hat er wiederhergestellt, wenn auch mit einer rentenpolitischen Kehrtwende, die der Parteirechten noch heute peinlich ist.
Immerhin: Auf den Kundgebungen zum 1. Mai, dem liturgischen Höhepunkt im Kalender traditionsbewusster Genossen, stehen SPD und DGB wieder Seit‘ an Seit‘, als wäre nichts gewesen, und rufen nach Mindestlohn, Kohlekraft – und modernen Bahnhöfen. Im Herzen des Ruhrpotts nimmt Gabriel damit nicht mehr die (ohnehin verstummten) „Neoliberalen“ ins Visier, sondern vor allem die neuen Gegner: den grünen Wunschpartner.