http://www.faz.net/-gpf-73ryp

Syrische Autobombe : Resonanzboden Libanon

Bild: dapd

Die syrische Tragödie greift auf den Libanon über. Jetzt nehmen die Verbündeten des bedrängten Assad die Hauptstadt Beirut ins Visier.

          Die Absicht hinter der Ermordung des prominenten libanesischen Geheimdienstlers Wissam Hassan liegt auf der Hand: Es sollte einer ausgeschaltet werden, der Syriens Versuche vereitelt hat, den Libanon zu destabilisieren, um vom Krieg im eigenen Land abzulenken. Der untadelige Hassan war außerdem an der Aufklärung des Attentats gegen den früheren Ministerpräsidenten Hariri beteiligt, und zuletzt trug er Beweise zusammen, dass der frühere libanesische Informationsminister Samaha, ein Parteigänger Assads, persönlich aus Syrien Sprengstoff für Anschläge eingeführt hat. Samaha sollte dafür sorgen, dass sich die konfessionellen Spannungen in Gewalt entladen und dass das Feuer für einen Bürgerkrieg auch beim libanesischen Nachbarn entfacht wird.

          Nun greift die syrische Tragödie mit der Autobombe, die im Beiruter Christenviertel Aschrafieh acht Menschen getötet hat, auf den Libanon über. Schon in den vergangenen Monaten hatte es wiederholt kleinere Stellvertreterkriege in der nordlibanesischen Stadt Tripoli gegeben. Jetzt aber nehmen die Verbündeten des bedrängten Assad die Hauptstadt Beirut ins Visier. Unerwartet geschieht das nicht. Rami Machluf, der mächtige Cousin Assads, hatte bereits im Mai 2011, als das Regime Syrien noch weitgehend unter Kontrolle hatte, damit gedroht, dass es in den Nachbarstaaten „keine Stabilität“ mehr geben werde, sollte Syrien nicht mehr stabil sein. Das Drehbuch ist geschrieben, nun wird es Wirklichkeit. Am leichtesten ist die Drohung im Libanon wahrzumachen, dessen fragiles Gleichgewicht sich schnell zerstören lässt und der für die Krisen des Nahen Ostens stets der Resonanzboden war.

          Auf das Attentat haben die Libanesen zwar mit einem „Tag des Zorns“ reagiert. Ändern wird das aber nichts daran, dass der syrische Bürgerkrieg immer bedrohlicher auf die Nachbarstaaten übergreift. Die Türkei hat ihre Armee in Alarmbereitschaft versetzt, Israel übte am Sonntag den Verteidigungsfall. Vergeblich warb der UN-Syrienbeauftragte Brahimi in Damaskus für eine vorübergehende Waffenruhe. Zwar hat den Nahen Osten noch nicht ein Flächenbrand erfasst - es wäre dennoch fatal, wenn russischer Starrsinn dafür verantwortlich ist, dass die Staatengemeinschaft weiterhin untätig bleibt.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Folgen:

          Weitere Themen

          „Alleine schaffen wir es nicht“ Video-Seite öffnen

          Transatlantische Beziehungen : „Alleine schaffen wir es nicht“

          Bei der Münchner Sicherheitskonferenz standen bisher traditionell die transatlantischen Beziehungen im Mittelpunkt. Ein erfahrener Teilnehmer und eine neue Teilnehmerin erzählen, was diese für sie bedeuten – und ob es die Konferenz eigentlich noch braucht.

          Europa als Vegetarier unter Fleischfressern Video-Seite öffnen

          Gabriel in München : Europa als Vegetarier unter Fleischfressern

          Bei der Münchner Sicherheitskonferenz hat Außenminister Sigmar Gabriel dafür plädiert, die europäische Zusammenarbeit im militärischen Bereich nicht zu vernachlässigen. Seiner Meinung nach handelt besonders ein Land geopolitisch konsequent.

          Topmeldungen

          Russland und der Westen : Es bleibt frostig

          Der Winter kommt nicht, er ist längst da. Trumps Sicherheitsberater McMaster und Russlands Außenminister Lawrow schenken sich auf der Sicherheitskonferenz in München nichts.
          Nur den QR-Code scannen: Anders als die Deutschen zahlen die Chinesen gern mit dem Smartphone.

          Bezahlsystem : Chinas Antwort auf Paypal

          Hunderte Millionen Chinesen zahlen mit der Smartphone-App Alipay. Ginge sein Betreiber Ant Financial – zu Deutsch: Finanzameise – an die Börse, wäre er so viel wert wie Goldman Sachs.
          Der Fotograf Patrick Demarchelier bei einer Fashion-Show im Herbst 2012.

          Belästigungsskandal : Models erheben schwere Missbrauchsvorwürfe

          Neue Missbrauchsvorwürfe in der Modebranche: Mehr als 50 Frauen beschuldigen mindestens 25 Männer der Modewelt, sie sexuell belästigt oder missbraucht zu haben. Sie sprechen damit ein Jahrzehnte altes Problem der Branche an.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.