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Syrien Viele Tote bei Anschlägen in Aleppo

10.02.2012 ·  Die zweitgrößte syrische Stadt Aleppo ist von mehreren Bombenexplosionen erschüttert worden, bei denen Dutzende Menschen starben. Auch in Homs gehen die Kämpfe unvermindert weiter. Der amerikanische Präsident Obama bezeichnete die Gewalt in Syrien als „abstoßend“.

Von Christoph Ehrhardt
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In der syrischen Stadt Aleppo sind am Freitag bei Bombenexplosionen nach Regimeangaben Dutzende Personen getötet worden. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichtete, bei zwei „Terroranschlägen“ auf ein Gebäude des Militärgeheimdienstes und eines der Sicherheitskräfte seien 25 Menschen getötet und 175 weitere verletzt worden. Die Staatsmedien zeigten Bilder verkohlter Leichname und von Aufräumarbeiten.

Ein Sprecher der „Freien Syrischen Armee“, die sich überwiegend aus Deserteuren zusammensetzt, beschuldigte das Regime in Damaskus, die Anschläge inszeniert zu haben. Das sei „ein altes Spiel“, um von den Massakern abzulenken, welche die Sicherheitkräfte an der Zivilbevölkerung verübten. Oppositionsaktivisten sprachen von einem „weiteren schwarzen Theaterstück des Regimes“, dass die Niederschlagung der Proteste als Kampf gegen „Terroristen“ bezeichnet. Solche gegenseitigen Vorwürfe hatte es auch nach Bombenexplosionen in Damaskus im Januar und im Dezember gegeben.

In Aleppo war es in der Vergangenheit vergleichsweise ruhig geblieben, es war die letzte Großstadt, in der Proteste ausbrachen. Das mehrheitlich konservative Bürgertum von Aleppo verhält sich in dem Konflikt bisher zumindest neutral, viele der sunnitischen Kaufleute der Stadt sind unter der Assad-Herrschaft zu Wohlstand gelangt. Die Opposition hatte zu neuen Demonstrationen nach den Freitagsgebeten aufgerufen.

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In der Stadt Homs, die derzeit das Zentrum des Aufstand gegen das Assad-Regimes ist, setzte die Armee die Belagerung mit unverminderter Härte fort. Unterstützt von Panzern rückten Soldaten in den Stadteil Inshaat ein. Vor allem die Viertel in denen das Regime die Zentren des Widerstands vermutet, werden seit einer Woche mit schwerem Artilleriebeschuss belegt. So berichten Augenzeugen, dass auf den Stadtteil Bab Amr täglich fast ohne Unterbrechung Granaten niedergingen. Seit vergangenem Samstag sollen in Homs nach Angaben von Aktivisten 400 Menschen getötet worden sein. Allein am Freitagmorgen war von mehr als 100 Toten in den vergangenen 24 Stunden die Rede. Solche Berichte lassen sich nicht überprüfen. Die Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ hatte unter Berufung auf Angaben aus der Stadt von Opferzahlen in ähnlicher Größenordnung berichtet. Nach ihren Angaben werden neben Bab Amr auch die Viertel Khalidiyya, Bayyada, Naziheen und Rifai beschossen.

Nach Fernsehberichten aus Homs fürchtet die Bevölkerung schon seit Tagen eine groß angelegte Bodenoffensive und neue Verhaftungswellen. Demnach sind die Kämpfer der „Freien Syrischen Armee“ schlecht ausgerüstet. Die Deserteure brächten ihre Waffen mit oder müssten sich auf dem Schwarzmarkt welche kaufen. Ein Offizier der Aufständischen sagte unlängst der Zeitung „Al Sharq al Awsat“, die Kämpfer würden Kleinwaffen wie Sturmgewehre oder Panzerfäuste bei Shahiba-Milizen kaufen. Andere Kämpfer machen diese kriminellen Banden für den Beschuss von Homs verantwortlich. Sie seien vom Regime angeheuert worden, sagte ein Kämpfer in Homs einer Reporterin des Senders Al Dschazira.

Vor diesem Hintergrund erscheinen auch die Berichte plausibel, nach denen bei Beratungen des Führungsstabes des oppositionellen Syrischen Nationalrats in Qatar auch über Waffenlieferungen an Deserteure diskutiert werde. Im Libyen-Konflikt hatte die Führung des Golfemirats die Rebellen mit Waffen versorgt. Aktivisten fordern auch Hilfslieferungen aus der Luft, vor allem medizinische Güter und Babynahrung. Die medizinische Versorgung der Zivilbevölkerung wird nach Angaben von „Human Rights Watch“ vom Regime unterbunden. Demnach werden Hunderte Verletzte in notdürftig in Privathäusern eingerichteten „Untergrundkliniken“ behandelt.

Obama: Gewalt Assads abstoßend

Präsident Obama hat seine Forderung nach einem sofortigen Rücktritt des syrischen Präsidenten Baschar al Assad bekräftigt. Eine Regierung, die ihr eigenes Volk angreife, müsse umgehend ersetzt werden, sagte Obama am Donnerstag in Washington. Er bezeichnete die Gewalt in Syrien als „schockierend“ und „abstoßend“. Derweil mehren sich in Washington die Forderungen nach Waffenlieferungen an die syrische Opposition. Der frühere republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain fordert ein Eingreifen zugunsten der Opposition, will aber keine Bodentruppen entsenden. Fachleute und Kommentatoren warnen in Medienbeiträgen davor, dass ein Hinauszögern der Unterstützung zu einem weiteren Verlust von amerikanischem und westlichem Einfluss nach dem weithin als unvermeidlich betrachteten Sturz des Assad-Regimes in Damaskus führen würde.

In Berlin forderten am Freitag Vertreter der syrischen Exilopposition die Bundesregierung auf, die diplomatischen Beziehungen zu Syrien abzubrechen. Der syrische Botschafter müsse ausgewiesen werden, sagte Ferhad Ahma vom Syrischen Nationalrat. Hozan Ibrahim, Mitglied des Generalsekretariats des SNC, forderte Deutschland und die EU auf, den Nationalrat als legitime Vertretung des syrischen Volkes anzuerkennen. Er verlangte ferner schärfere politische und wirtschaftliche Sanktionen gegen das Assad-Regime. Die Nationalratsvertreter appellierten an die Bundesregierung, humanitäre Hilfe in Syrien zu leisten. Eine militärische Intervention lehnten sie ab. Das Auswärtige Amt teilte mit, es stehe in ständigem Kontakt mit Hilfsorganisationen, um zu prüfen, ob und wie humanitäre Hilfe möglich sei. (rüb./johe.)

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Jahrgang 1975, Redakteur in der Politik.

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