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Syrien Unheilige Pflichten

 ·  Kofi Annan hat es nicht genossen, wenn ihn Russen oder Chinesen mit Worten umarmten. Genau so wenig wird der scheidende Syrien-Vermittler goutieren, wie der Westen nun allein Moskau und Peking die Schuld zuschiebt.

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Als heilige Pflicht habe er es angesehen, in Syrien zu vermitteln, hat Kofi Annan noch im Rücktritt verkündet. Dem vormaligen UN-Generalsekretär brauchte man nicht lange zu erklären, dass in West und Ost, Süd und Nord praktisch keinem Zweiten so viel Vertrauen und Respekt entgegengebracht wird wie ihm, dessen Charisma stets alle Schatten auf dem Lebenslauf überstrahlt hat.

Angesichts der von Annan nun schonungslos beklagten Militarisierung des Konflikts und der Spaltung des Sicherheitsrats mag er es am Ende tatsächlich für seine unheilige Pflicht gehalten haben, sein Scheitern einzugestehen, anstatt durch Pendeldiplomatie einen Friedensprozess vorzugaukeln, den es nicht gibt.

Genossen hat Annan es sicher nicht, wenn ihn Russen oder Chinesen mit Worten umarmten, als seien sie die Schöpfer des Friedensengels. Doch wird der Vermittler genauso wenig goutieren, wie Amerikaner und Europäer nun allein Moskau und Peking die Schuld zuschieben – als wollten sie dem Vermittler beweisen, wie recht er hatte, als er die ewigen Vorhaltungen beklagte, mit denen die Blöcke einander überziehen. Weil sich in Syrien die meisten Konfliktlinien des Vorderen Orients bündeln und dort längst auch der saudisch-iranische Kampf um die regionale Vorherrschaft ausgetragen wird, in dem der Westen Partei ist, hat Annan wohl keinen Beteiligten ausmachen können, dem es einzig um ein rasches Ende der Gewalt ging.

Annan wäre nicht der Weltdiplomat schlechthin, hätte er seine Ermahnungen nicht in den Appell vor allem an Barack Obama und Wladimir Putin münden lassen, dem syrischen Volk das Allerschlimmste durch Mut, Führungsstärke und Opferbereitschaft zu ersparen. Doch das sind hohle Floskeln in einer Zeit, in der die Außenwelt vor lauter konkurrierenden Oppositionsbündnissen, Dschihadistennetzen, Volksgruppen und Emissären fremder Mächte, die sich in Syrien tummeln, schon daran scheitert, einen Überblick über die Konfliktparteien zu gewinnen. Nicht zu beneiden ist Ban Ki-moon. Der UN-Generalsekretär hatte den Mut, seinem Amtsvorgänger die Bühne zu überlassen. Nun bleibt ihm die traurige Pflicht, einen neuen Gesandten zu suchen und für die Fortsetzung einer Beobachtermission zu werben, die auch noch nichts ausrichten konnte. Doch einen besseren Plan hat niemand.

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Jahrgang 1975, Redakteur in der Politik.

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