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Syrien-Konflikt Kämpfen für die ferne Heimat

Irgendwann konnte Siamend Hajo die Bilder aus Syrien nicht mehr ertragen. Aus Berlin unterstützt er nun die Opposition in dem Land, das er vor 35 Jahren verlassen hat.

© Privat Einsatz für eine friedliche Zukunft Syriens: Siamend Hajo mit seinem Sohn auf den Schultern (verdeckt)

Auch wenn er sein Geburtsland seit Jahrzehnten nicht gesehen hat, ist Siamend Hajo jeden Tag mit Syrien verbunden. Im Internet, per Skype oder SMS pflegt der Berliner Kurde seine Kontakte. Erst am Morgen hat er mit einem Freund aus Nordsyrien telefoniert, der vor den Kämpfen über die Grenze in die Türkei geflohen ist. Von einem Waffenstillstand zwischen kurdischen Milizionären und Einheiten der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA) habe er berichtet, sagt Hajo. Doch die Information genügt ihm nicht. Am Nachmittag will er mit einem FSA-Kämpfer sprechen, um auch deren Sicht auf die Dinge zu erfahren.

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Je länger der Konflikt in Syrien dauert, desto schneller sind die Urteile gefällt. Gegner wie Anhänger von Präsident Baschar al Assad nutzen die Unübersichtlichkeit, um ihre Sichtweisen zu verbreiten. Hajo versucht dabei zu helfen, im Propagandakrieg die Übersicht zu bewahren. Seit einem Jahr gehört er der kurdischen Zukunftsbewegung an. Er leitet die Europa-Organisation der Partei, seitdem im Oktober 2011 der charismatische Parteivorsitzende Mishaal Tammo ermordet wurde – nur drei Monate nach der Entlassung aus dem Gefängnis. Für die Opposition gegen Assad war das ein herber Schlag.

Der nächste Anlauf gegen das Regime

Ein Jahr später unternehmen die Aufständischen einen neuen Anlauf, das Regime zu stürzen. Siamend Hajo war beim Treffen der Assad-Gegner im November in Doha dabei, als die Nationale Koalition zur wichtigsten Organisation der Opposition wurde – und den Syrischen Nationalkongress (SNC) ablöste. Wie viele andere SNC-Delegierte auch sah Hajo der Zusammenkunft skeptisch entgegen. Schließlich war klar, dass die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich, aber auch Qatar und Saudi-Arabien auf eine Schwächung des Nationalkongresses aus waren. Der habe seine Chance verpasst, die Opposition zu einen, hatte die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton vorher verkündet.

Hajos Skepsis ist der Zuversicht gewichen, dass nun frischer Wind in die Opposition kommt. Mit Moaz al Khatib, dem früheren Prediger der Omayyadenmoschee in Damaskus, sei eine „achtbare Person, die von allen geschätzt wird“, zum Präsidenten gewählt worden, sagt er. In der Pflicht sieht er nun vor allem den Westen: „Nach all dem Druck, der auf uns ausgeübt wurde, ist jetzt die internationale Gemeinschaft am Zug.“

Für das Recht der Kurden auf Selbstbestimmung

Die kommt zwanzig Monate nach Beginn der Revolution langsam in die Gänge. Nach den sechs Staaten des Golf-Kooperationsrats haben inzwischen auch Frankreich, die Türkei, Italien und Großbritannien die Nationale Koalition als legitime Vertretung des syrischen Volkes anerkannt. Beim Treffen der sogenannten „Freunde Syriens“ heute in Marrakesch könnten die Vereinigten Staaten folgen. Hajo hätte sich die Anerkennung schon viel früher gewünscht. Ein pluralistisches und demokratisches Syrien, für diese Vision tritt er ein – und für das Recht der Kurden auf Selbstbestimmung.

Karte / Kurdisch besiedelte Gebiete / Syrien © F.A.Z. Vergrößern

Freunde hat er sich damit nicht nur gemacht. Über Jahre fürchtete der 45 Jahre alte Vater von zwei Kindern Verfolgung durch die syrischen Behörden. 1967 wurde der Politikwissenschaftler in der Nähe von al Qamishli geboren; als er elf war, zog er mit seiner Familie nach West-Berlin. Seitdem hat er seine Heimat nicht wiedergesehen. In Berlin begann er politisch zu arbeiten. Heute leitet er mit anderen das Europäische Zentrum für Kurdische Studien; das von ihm betriebene Internetportal Kurdwatch dokumentiert Menschenrechtsverletzungen in den syrisch-kurdischen Gebieten. Ein gefährlicher Job: Jeder Besuch Afrins, Ras al Ains, Al Hasakahs oder einer der anderen kurdischen Gemeinden im Norden Syriens könnte in der Haft enden.

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