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Mögliche Giftgas-Angriffe : Deutsche Tornados gegen Assad?

  • Aktualisiert am

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen im vergangenen August. Bild: dpa

Washington soll sich erkundigt haben, wie weit Deutschland gehen würde, falls Assad in Syrien Chemiewaffen einsetzt. Die Bundeswehr prüft Optionen. Die SPD ist schon einmal dagegen.

          Prüft das Verteidigungsministerium auf Anfrage der Vereinigten Staaten militärische Optionen für den Fall eines abermaligen Chemiewaffeneinsatzes durch Kräfte des syrischen Präsidenten Baschar al Assad? Im Verteidigungsministerium werde erwogen, sich in diesem Fall an der Allianz Amerikas sowie Großbritanniens und Frankreichs zu beteiligen, schrieb die „Bild“-Zeitung am Montag. Aus dem Verteidigungsministerium wurde das relativiert. Die SPD lehnte bereits jegliche Beteiligung der Bundeswehr an Vergeltungsaktionen nach einem möglichen Chemiewaffeneinsatz der syrischen Regierungstruppen ab.

          Die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich hatten im April Ziele in Syrien angegriffen und damit nach eigener Darstellung auf einen Chemiewaffen-Einsatz von Assad im syrischen Bürgerkrieg reagiert.

          In von der Leyens Haus sei die grundsätzliche Möglichkeit einer deutschen Beteiligung an Vergeltungsangriffen gegen Assad im Falle eines Chemiewaffen-Einsatzes diskutiert worden, berichtete die „Bild“. In späteren Gesprächen sei es um Optionen wie Aufklärungsflüge vor einem möglichen Angriff, um eine Schadensanalyse danach sowie um die Teilnahme an möglichen Kampfeinsätzen gegangen.

          „Die SPD wird weder in der Regierung noch im Parlament einer Beteiligung Deutschlands am Krieg in Syrien zustimmen“, teilte die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles mit. „Wir unterstützen den Außenminister (Heiko Maas, SPD) bei seinem Bemühungen, im Gespräch mit unter anderem der Türkei und Russland, eine humanitäre Katastrophe zu verhindern.“

          Maas äußerte sich zurückhaltend: „Andrea Nahles hat natürlich vollkommen recht, dass die Bundesregierung sich natürlich auf dem Boden des Grundgesetzes und des Völkerrechtes bewegen wird.“

          Das letzte militärische Eingreifen der Vereinigten Staaten, Frankreichs und Großbritanniens nach einem mutmaßlichen Giftgaseinsatz in Syrien hatte Deutschland im Frühjahr zwar politisch unterstützt, sich militärisch aber herausgehalten. Ein Beteiligung wäre auch sowohl verfassungsrechtlich als auch völkerrechtlich nur schwer zu begründen gewesen.

          Laut Grundgesetz ist der Einsatz der Bundeswehr im Ausland nur in einem System kollektiver Sicherheit möglich, also etwa innerhalb der Vereinten Nationen, der Nato oder der Europäischen Union. Das traf für das letzte militärische Eingreifen des Westens in Syrien nicht zu. Es war ein Alleingang dreier Länder. Zudem war der Militärschlag vom wissenschaftlichen Dienst des Bundestags als völkerrechtswidrig eingestuft worden.

          Jeder Einsatz müsse mit dem Parlamentsbeteiligungsgesetz in Einklang stehen, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. „Wir reden hier über einen sehr hypothetischen Fall“, sagte er. „Es ist eine Selbstständlichkeit, dass alle Streitkräfte der Welt planen in Szenarien und müssen das auch tun.“

          Regierungssprecher Steffen Seibert sagte: „Die Situation in Syrien, die Situation in Idlib im Speziellen, ist ja so, dass man wirklich große Sorgen haben muss, dass sich dort entsetzliche Muster aus anderen syrischen Kampfschauplätzen wiederholen könnten, und dass hunderttausende Menschen in höchster Gefahr sind.“ Über diese Lage werde mit den Verbündeten und Partnern gesprochen.

          Die Bilder und Berichte aus Idlib seien schwer erträglich, sagte der verteidigungspolitischen Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Henning Otte. „Unzählige Menschen in Idlib leiden unter dem Terror von Assads Bombardements auf die eigene Bevölkerung. Es ist daher wichtig, dass wir alle Handlungsmöglichkeiten prüfen - auch ein militärisches Handeln müssen wir natürlich erwägen“, erklärte er. „Außer Frage steht, dass ein Einsatz von Chemiewaffen in Syrien um jeden Preis verhindert werden muss.“

          Der grüne Sicherheits- und Haushaltspolitiker Tobias Lindner forderte: „Wenn die Regierung einen solchen Einsatz plant, muss sie vorab den Bundestag um Zustimmung bitten und auch darlegen, wie aus ihrer Sicht dies mit dem Völkerrecht vereinbar ist.“ Deutschland müsse alle Möglichkeiten in den Vereinten Nationen nutzen, damit es erst gar nicht zu einem syrischen Chemiewaffeneinsatz komme.

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