05.01.2006 · Die deutsche Archäologin Susanne Osthoff hat in einem weiteren Fernsehinterview neue Details ihrer Entführung preisgegeben. Dort spricht sie über die „schlimmsten Momente“ und ihr Trauma heute.
Die deutsche Archäologin Susanne Osthoff hat seit ihrer Entführung Ende vergangenen Jahres im Irak Todesängste. Diese ließen auch nicht nach, sagte Frau Osthoff dem Fernsehsender RTL, wie dieser auf seiner Internetseite berichtet.
Seit ihrer Befreiung kurz vor Weihnachten sei sie in vier verschiedenen Ländern gewesen. Sie wechsele ständig den Standort, könne nachts immer noch nicht schlafen und nur wenig essen. „Es kommt eine Angst vor jedem Menschen. Wenn ich mit dem Taxi fahren muß, habe ich Angst. Ich schau dann nach hinten und erinnere mich, wie ich gefaßt wurde“, sagt Frau Osthoff.
„Miss Susanne“
Das Schlimmste an der Entführung sei der „Freiheitsentzug“ gewesen und „das Gefühl, nichts zu wissen - das Warten auf den Tod“, sagte Frau Osthoff. Sie sei teilweise gefesselt und in einem Kofferraum transportiert worden, habe keine Luft mehr bekommen und nicht gewußt, wohin die Fahrt gehe.
Die Entführer hätten alles über sie gewußt und sie „Miss Susanne“ genannt, berichtete die 43 Jahre alte Deutsche. Jeden zweiten Tag sei sie in ein anderes Versteck gebracht worden. Man habe sie beschuldigt, eine jüdische Geheimdienstoffizierin zu sein. Die Entführer hätten angegeben, eine „politische Gruppe“ zu sein und von der deutschen Regierung zu fordern, den Kontakt mit der irakischen abzubrechen.
Nicht vom Fahrer verraten
Frau Osthoff sagte, sie habe ferner gehört, daß die Kidnapper humanitäre Zugeständnisse der deutschen Behörden gefordert hätten. Sunnitische Zivilisten sollten in Deutschland medizinisch behandelt werden. Ob das genau stimme, könne sie aber nicht sagen. Sicher sei sie sich dagegen, daß sie nicht von ihrem Fahrer verraten worden sei, so Susanne Osthoff.
„Er wurde selbst während Geiselhaft geschlagen“, fügte sie hinzu. Über seinen Verbleib wisse sie momentan nichts. Osthoff wies Vorwürfe zurück, leichtsinnig gewesen zu sein. „Ich wollte am 10. Dezember das Land verlassen und bin auf dieser letzten Fahrt entführt worden.
Verhüllter Fernsehauftritt
Einige Tage zuvor war sie in einem ZDF-Interview verhüllt erschienen. Dieses verschleierte Auftreten, das für Aufregung gesorgt hatte, begründete sie wie folgt: „Ich wohnte bei einer privaten Familie, wo Frauen verschleiert sind. Ich bin kurz vor dem Interview in Hektik dann in diese Kleidung geschlüpft, damit wir überhaupt noch pünktlich in das Studio kommen konnten. Es sind dort überall Sicherheitssperren. Ich war selbst nicht begeistert darüber. Ich wollte aber in jedem Fall Herrn Schröder danken.“