Home
http://www.faz.net/-gpf-1393t
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Studie zur Familienpolitik Die Wohngemeinschaft als eingetragene Partnerschaft?

17.07.2009 ·  Der Begriff der "kleinen Lebenskreise" gehört schon seit einiger Zeit zum Repertoire von Kurt Biedenkopf. Er umfasst die verschiedensten sozialen Verbindungen von Menschen in ihrer nächsten Umgebung, die neben die klassische Familie getreten sind.

Von Stephan Löwenstein, Berlin
Artikel Lesermeinungen (0)

Der Begriff der "kleinen Lebenskreise" gehört schon seit einiger Zeit zum Repertoire von Kurt Biedenkopf. Er umfasst die verschiedensten sozialen Verbindungen von Menschen in ihrer nächsten Umgebung, die neben die klassische Familie getreten sind. Jetzt hat eine von dem früheren sächsischen Ministerpräsidenten und CDU-Generalsekretär Biedenkopf geleitete Kommission diesen Begriff in den Mittelpunkt eines Berichts gestellt, der am Freitag in Berlin vorgestellt wurde: "Starke Familie - Solidarität, Subsidiarität und kleine Lebenskreise". Die von der Robert-Bosch-Stiftung finanzierte Studie wurde außerdem verfasst von dem Familiensoziologen Hans Bertram und der Journalistin Elisabeth Niejahr.

In der Studie werden diese Kreise anhand von Beispielen beschrieben als "eine ständig zunehmende Zahl unterschiedlichster Formen des Zusammenwirkens von Eltern und Großeltern, Freunden und Nachbarn, ehrenamtlicher Mitwirkenden, nachbarschaftlicher Netzwerke und den unterschiedlichsten Kombinationen familiärer, freiwilliger und professioneller Zusammenarbeit".

Diese Verbindungen sollen an die Stelle der traditionellen Großfamilie treten. Ehe und Familie seien faktisch relativiert. "Was vielfach übriggeblieben ist, reicht für eine subsidiaritätsfähige Struktur nicht aus." Im Idealfall gebe es eine "Kernfamilie", die aber "mit anderen Lebenskreisen vernetzt und durch die kommunale Ebene getragen und ermutigt" werden müsse, um im Sinne des Subsidiaritätsprinzips wirken zu können: als kleinste Einheit möglichst viele Aufgaben erledigen, so dass nur das, was unbedingt nötig ist, auf den höheren Ebenen des Staates wahrgenommen wird.

Was wie eine abstrakt-soziologische Erörterung daherkommt, wird von den Autoren aber zu sehr konkreten Forderungen an die Politik gebündelt. Die Familienpolitik soll nach ihren Vorstellungen wesentlich auf die kommunale Ebene verlagert werden, wo die wichtigsten Rahmenbedingungen geschaffen würden. Gerade auch für Einwanderer und Unterschichten (der Begriff wird vermieden) könne der "Vielfalt der Lebenssachverhalte" nur auf dieser Ebene entsprochen werden. Dazu bräuchten die Kommunen eigene Einnahmequellen, etwa ein Hebesatzrecht bei der Einkommensteuer. Interessant ist auch der Vorschlag, anderen kleinen Lebenskreisen bessere rechtliche Rahmenbedingungen zu geben, etwa über die eingetragene Partnerschaft. "Sie sollte über ihre heutige Bestimmung hinaus generell als Rechtsform für Menschen zugelassen werden, die füreinander Verantwortung übernehmen und tragfähige Bindungen eingehen wollen. Also auch dann, wenn es sich nicht um gleichgeschlechtliche Liebesbeziehungen handelt." Eingetragene Partnerschaft also auch für studentische Wohngemeinschaften, Mehrgenerationenhäuser, Nachbarschaftshilfe oder Klöster? Eine unmittelbare Antwort der Politik blieb aus. Anders als beim Vorläuferbericht 2005 zog es beispielsweise Familienministerin von der Leyen (CDU) vor, die Studie nicht mit vorzustellen. Damals war es kurz nach der Wahl. Diesmal ist es davor - und dazu noch wohlverdiente und kurze Sommerpause.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1968, politischer Korrespondent in Berlin.

Jüngste Beiträge

Von dir die Fregatte, von mir die Drohne

Von Thomas Gutschker

Verteidigung ist eine nationale Angelegenheit? Die Wirklichkeit hat sich längst geändert. Die Armeen der Nato-Partner müssen zusammenarbeiten. Kein Land ist mehr autark. Mehr 3 7