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Studie Tariftreue bedeutet keine Kostenexplosion

20.06.2002 ·  Tariftreue bedeutet keine Kostenexplosion für den Steuerzahler. Dies fanden Wissenschaftler aus Gelsenkirchen heraus.

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Ein Tariftreuegesetz führt nicht zu höheren Kosten bei öffentlichen Aufträgen, sondern fördert die Ausbildung von Lehrlingen und Facharbeitern und garantiert höhere Qualität. Dies ist das Ergebnis einer Studie des Instituts für Arbeit und Technik in Gelsenkirchen. Die Wissenschaftler untersuchten die Auswirkungen der Einführung und Abschaffung von Vergabegesetzen in verschiedenen Bundesstaaten der Vereinigten Staaten.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass ohne Tariftreuegesetze zwar Löhne und Lohnnebenkosten niedriger liegen. Die Folgen waren aber nicht niedrigere Baukosten, sondern die Bauqualität und die Investition in Ausbildung reduzierte sich, außerdem erhöhten sich die Sozialkosten. So stieg zum Beispiel in Kansas die Zahl der ernsthaften Unfälle um 21 Prozent.

Kaum Unterschiede bei den „Startkosten“

Für die Studie untersuchten die Wissenschaftler die kalkulierten „Startkosten“ des Baus von Schulen in verschiedenen Staaten mit und ohne Vergabegesetz. „Startkosten“ beinhalten die reinen Kosten des Bauwerks ohne Zusatzkosten und weitere Instandhaltung. Fachleute der Universität von Salt Lake City nahmen den Bau von 391 Schulen in Ohio, Michigan und Kentucky zwischen 1991 und 2000 unter die Lupe. Dabei unterschieden sie zwischen ländlichen und städtischen Gegenden. Umgerechnet auf die Gebäudefläche ergaben sich keine großen Unterschiede, trotz enormer Lohndifferenzen in den Ländern mit und ohne Vergabegesetz. In ländlichen Gebieten mit Vergabegesetz war der Quadratfuß um 2 Dollar teurer, 98 anstatt 96 Dollar. In städtischen Gebieten gab es gar keinen Unterschied.

Bei den „Endkosten“, die Zusatzkosten und Instandhaltung beinhalten, wurde sogar festgestellt, dass Länder ohne Vergabegesetz am Ende mehr bezahlen müssen. So errechneten die Forscher, dass in Utah vor der Aufhebung des Vergabegesetzes die Zusatzkosten bei 2 Prozent lagen, nachher aber bei 7,3 Prozent. Weil die Preise der akzeptierten Angebote nur um 2 Prozent gesunken waren, ergab das einen Anstieg der Endkosten von 3,3 Prozent.

Bessere Ausbildung mit Vergabegesetzen

Außerdem beklagt die Studie, dass es in den Ländern ohne Vergabegesetz an Facharbeitern mangelt und sich die Ausbildungsquote mehr als halbierte. Unternehmen ohne Vergabegesetze sparen Kosten bei der Berufsausbildung. So beschäftigt der tariflich ungebundene Teil der Bauwirtschaft zwar 70 Prozent der Arbeitnehmer aber nur 20 Prozent der Lehrlinge. Die Produktivität der Arbeiter sinkt, ebenfalls die Innovations- und Investitionstätigkeit.

Der Meinung des Instituts zufolge sichert ein Tariftreuegesetz Qualität und Konkurrenz unter den Wettbewerbern und macht die Bauwirtschaft langfristig überlebensfähig. Die Kritik von verschiedenen Bauexperten, dass dies zu höheren Kosten für die Allgemeinheit führe, da Bauunternehmer und Gewerkschaften ein Kartell bilden, lässt das Institut nicht gelten, da gleiche Bauqualität auf Dauer nur zu gleichen Preisen garantiert werden könne.

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