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Streit über Atommüll-Lager Asse

18.06.2008 ·  Gabriel: Betreiber beging eine Mordsdummheit

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vL. HANNOVER, 18. Juni. Das niedersächsische Landesumweltministerium hat dem Betreiber des Atommüll-Lagers Asse bei Wolfenbüttel am Mittwoch untersagt, radioaktiv belastete Lauge in tiefere Schichten der alten Schachtanlage zu pumpen. Umweltstaatssekretär Birkner (FDP) sagte, der Betreiber habe, ohne das Ministerium zu informieren, 77 Kubikmeter mit Cäsium-137 belastete Flüssigkeit in 975 Meter Tiefe gepumpt. Alle Landtagsparteien in Hannover kritisierten den Vorgang und die zögerliche Informationspolitik des Betreibers, des Helmholtz-Zentrums in München. Die Grünen schlossen die Einrichtung eines Untersuchungsausschusses nicht aus. Zuvor war bekannt geworden, dass in 750 Metern Tiefe, wo große Mengen Atommülls lagern, radioaktive Stoffe in einer Lauge gemessen worden waren. Die zulässigen Grenzwerte von 10 000 Becquerel pro Kilogramm seien zum Teil um das Achtfache überschritten worden, sagte Birkner. Zudem war bekannt geworden, dass das Landesbergamt in Hannover schon seit 1997 wusste, dass radioaktiv verseuchte Lauge in die Deponie drang; die Atomaufsicht und als Fachaufsicht das Umweltministerium in Hannover waren aber erst am vergangenen Freitag informiert worden. Bundesumweltminister Gabriel (SPD), in dessen Wahlkreis der Schacht liegt, sprach von einer "Mordsdummheit" des Betreibers, die Öffentlichkeit nur "scheibchenweise" zu informieren. Er äußerte Zweifel, ob die Landesregierung in der Lage sei, den Betreiber hinreichend zu kontrollieren. Indes reicht die lückenhafte Kontrolle elf Jahre zurück, also in die Zeiten der SPD-Ministerpräsidenten Schröder, Glogowski und Gabriel.

Birkner kündigte an, er werde das Bundesforschungsministerium einschalten, um die Quelle der Verunreinigungen zu ergründen. Vermutet wird, dass wegen Nachlässigkeiten 1973 flüssiges radioaktives Cäsium an Radlader geriet, die es dann in den unterirdischen Stollen verteilten.

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