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Streit bei der Union Ganz bei sich

14.07.2009 ·  Die Fingerzeige der Kanzlerin während der Ära Beckstein/Huber, dass auch in einer christlichen Union jeder sich selbst der Nächste sei, hat man in München nicht vergessen. Unter dem Europa- und Steuerrebellen Seehofer ist die CSU in diesem Sinne wieder ganz bei sich.

Von Berthold Kohler
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Auf Bayerns Gipfeln ist keine Ruh'. Der Obersalzberg, jedenfalls das dortige Luxushotel in Staatshand, macht so hohe Verluste, dass jetzt die Kontrollkommission für die Landesbank ausführlich nachschauen musste, woran es dort fehlt. Weiter nördlich im Freistaat wird der Grüne Hügel in Bayreuth, auch das ist unerhört, von Streiks der Bühnenarbeiter erschüttert; der Urlaubsauftakt der Kanzlerin, die Premiere, soll jedoch nicht gefährdet sein.

Vorher musste Frau Merkel jedoch noch eine zweite oberfränkische Erhebung erklimmen, auf der die Hausherrin den Aufstand lieber gleich selbst probte. Im ehemaligen Benediktinerkloster Banz, inzwischen eine der Bergfestungen der CSU, durfte die CDU-Vorsitzende dem Europa- und Steuerrebellen Seehofer direkt, jedenfalls aber persönlich sagen, was sie von seinen Sonderwegen hält.

Sollte die CDU von diesen wirklich überrascht worden sein? Die CSU mag vielleicht nicht mehr so oft an die Ära Beckstein/Huber denken - die Fingerzeige der Kanzlerin aus jener Zeit, dass auch in einer christlichen Union jeder sich selbst der Nächste sei, hat man in München nicht vergessen. Unter Seehofer ist die CSU in diesem Sinne wieder ganz bei sich. Oberstes Ziel ist die Rückkehr in das Fünfzig-plus-x-Paradies. Dafür beschreitet der CSU-Vorsitzende jeden Weg, der sich ihm bietet. Seine Partei folgt dabei wieder der alten Strauß-Regel, dass sie sich sichtbar von der CDU unterscheiden müsse. Dem Wahlvolk wird das als Eigenständigkeit, der Schwesterpartei als brüderliche Barmherzigkeit und bayerische Logik verkauft: Die Kanzlerin könne nur dann Kanzlerin bleiben, wenn die CSU ein gutes Wahlergebnis bekomme. Dafür müsse die CSU aber leider, leider auch hin und wieder gegen das Schienbein von Angela Merkel treten. Kollateralschäden etwa an den Gliedmaßen aufsässiger CSU-Europaabgeordneter nimmt Seehofer seelenruhig in Kauf.

Gegen solches Brauchtum kann die Kanzlerin wenig tun, außer darauf zu verweisen, dass auch der Gegner (Anmerkung für die CSU: gemeint sind SPD, Grüne und Linkspartei) Unterschenkel hat. Frau Merkel mag sich damit trösten, dass in München oder gar in Berlin selten etwas so heiß gegessen wird, wie es in Banz oder in Kreuth gekocht wurde. Den Vertrag von Lissabon hat die CSU, anders als das Grundgesetz, noch nicht einmal abgelehnt. Unter Seehofer brüllt sie jetzt zwar wieder öfter wie ein Löwe. Aber doch eher wie einer im Zoo.

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Jahrgang 1961, Herausgeber.

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