Home
http://www.faz.net/-gbg-x0uh
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

München Sammelverbot für Müllwerker

Kurz und knapp hat das sozialdemokratische Stadtoberhaupt von München Christian Ude die städtischen Müllmänner wissen lassen, dass sie in diesem Jahr vor Weihnachten nicht mehr an den Türen der Münchner schellen und einen Obolus entgegennehmen dürfen.

© F.A.Z.-Ivan Steiger Vergrößern

Eine vorvorweihnachtliche Inszenierung, die frei nach Rainer Werner Fassbinder den Titel „Der Müll, die Stadt und das Trinkgeld“ tragen könnte, wird derzeit in München geprobt. Zwar wird es noch einige Zeit dauern, bis auf dem Marienplatz wieder der traditionelle Tannenbaum aufgestellt wird; doch Oberbürgermeister Ude hat dafür gesorgt, dass die Gespräche an den Wirtshaustischen schon ganz auf das Christfest ausgerichtet sind.

Albert Schäffer Folgen:    

Kurz und knapp hat das sozialdemokratische Stadtoberhaupt die städtischen Müllmänner wissen lassen, dass sie in diesem Jahr vor Weihnachten nicht mehr an den Türen der Münchner schellen und einen Obolus entgegennehmen dürfen.

Mehr zum Thema

Seither wird eifrig darüber debattiert, ob die Männer in ihrer orangefarbenen Arbeitskleidung, die bei jedem Wetter dafür sorgen, dass München nicht zu Neapel wird, Opfer einer übertriebenen Auffassung von Korruptionsbekämpfung geworden sind.

Bislang galt für sie an Weihnachten eine Ausnahmegenehmigung von dem allgemeinen Verbot für städtische Bedienstete, Zuwendungen anzunehmen. Die Trinkgelder mussten jedoch von den Vorarbeitern in ein „Aufzeichnungsbuch“ eingetragen werden, das dem städtischen Korruptionsbeauftragten vorlegt wurde.

Für die Müllmänner - politisch korrekter: Müllwerker - kam meist eine erfreuliche Aufstockung ihrer persönlichen Weihnachtskasse heraus. Mehrere hundert Euro erlaubten es, den Gabentisch großzügiger zu gestalten.

Doch Beschwerden von Bürgern, die den weihnachtlichen Gruß als Zwangseintreibung empfanden, sowie Klagen, dass Trinkgelder mit Sonderleistungen verbunden worden seien, führten zu Udes Ukas, dass die Müllmänner künftig unbeschenkt ins neue Jahr gehen müssen. Zumindest, was pekuniäre Zuwendungen anbelangt: Kleine Sachspenden, die weniger als fünfzehn Euro wert sind, bleiben zulässig.

Mit einer Lebkuchenpackung darf also der Weihnachtsgruß erwidert werden. Auch erste sommerliche Anzahlungen sind rechtlich unbedenklich. „Mögt's a Eis?“ - diese Frage an hitzegeplagte Müllmänner ist weiterhin erlaubt, sogar ohne dass städtische Korruptionsbekämpfer die Kugeln nachzählen lassen.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Zum Tod von Gottfried John Wie der einsame Wolf ein Weltstar wurde

Sein Markenzeichen war die markante Nase. Sie ließ ihn herb und streng wirken. Dabei hatte Gottfried John enormen Charme und komödiantische Qualitäten. Dank Goldeneye wurde er zum internationalen Star. Im Alter von 72 Jahren ist er nun in München gestorben. Mehr

02.09.2014, 19:51 Uhr | Feuilleton
Mit Tempo über Hindernisse

Beim Urban Run in Berlin galt es, sehr städtische Hindernisse zu überwinden. Mehr

13.04.2014, 13:44 Uhr | Gesellschaft
Neues Buch über Klaus Barbie Geschmeidiger Weltstar mit Gestapo-Empfehlung

Aus dem Folterkeller in den Sold der Geheimdienste im Kalten Krieg: Peter Hammerschmidt hat die Laufbahn Klaus Barbies, des Schlächters von Lyon, nach 1945 recherchiert. Mehr

02.09.2014, 10:28 Uhr | Feuilleton
Neuer Wiesn-Krug vorgestellt

In knapp einem Monat geht das Münchner Oktoberfest los. Der neue Wiesn-Krug ziert das Motiv einer Studentin der städtischen Designschule. Mehr

22.08.2014, 11:09 Uhr | Gesellschaft
Manchester Ein Tierheim brennt und Tausende spenden

Die Briten sind tierlieb – aber dieser Fall ist auch im Land der Katzenfreunde, Hundehalter und Birdwatcher einzigartig. Nach dem Brand eines Tierheims kam über Facebook ein Millionenbeitrag zusammen. Mehr

14.09.2014, 15:23 Uhr | Gesellschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 23.06.2008, 17:38 Uhr