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Amerika und Mexiko : Die beiden verbindet doch so viel

Keine amerikanische Super-Bowl-Party ohne Guacamole: Die Avocados kommen häufig aus Mexiko. Bild: Matthias Lüdecke

Die leckerste Guacamole wird aus mexikanischen Avocados gemacht. Und was dippen Amerikaner beim Super Bowl? Genau. Über die Folgen eines drohenden Handelskriegs zwischen Mexiko und Amerika.

          Ausgerechnet Avocados und ausgerechnet jetzt. Fünf Lastwagen, voll beladen mit 120 Tonnen Avocados aus dem mexikanischen Bundesstaat Jalisco an der Pazifikküste, wurden vergangene Woche am Grenzübergang von Mexiko nach McAllen in Texas zurückgeschickt. Und das kurz vor dem Super Bowl, dem Endspiel im American Football am Sonntag. Dieses Jahr stehen sich in Houston die New England Patriots und die Atlanta Falcons gegenüber. Bis zu 170 Millionen Zuschauer werden in den Vereinigten Staaten das Finale vor dem Fernseher verfolgen. Und während der Übertragung des wichtigsten Sportereignisses des Jahres Unmengen von Guacamole verschlingen.

          Matthias Rüb

          Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Der mexikanische Avocado-Dip gehört seit Jahr und Tag zum wichtigsten amerikanischen Sport- und Fernsehereignis - ungefähr wie Bier und Chicken Wings. Während der Übertragung laufen immer die witzigen Werbeclips der Vermarkter von Avocados aus Mexiko, plaziert zum Preis von bis zu 2,5 Millionen Dollar für 30 Sekunden. Auch sie sind fester Bestandteil des uramerikanischen Super-Bowl-Kults. Wird der vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump in seiner ersten Amtswoche angezettelte Zank um den Bau der Grenzmauer, um Strafzölle oder Blockaden für mexikanische Importe und um Massenabschiebungen illegaler Immigranten aus Amerika als Avocado-Krieg in die Geschichte eingehen?

          Héctor Padilla, der Landwirtschaftsminister von Jalisco, zeigt sich trotzig. „Die Avocados aus Jalisco sind von höchster Qualität“, sagt er. „Es ist ja nicht so, dass wir keine Abnehmer hätten. Wir verkaufen derzeit in 18 oder 19 Länder. Es ist keine Katastrophe, wenn die Amerikaner uns die Türen jetzt nicht öffnen.“ Die meisten der am texanischen Grenzübergang abgewiesenen Avocados wurden nach Kanada umgeleitet.

          „Er hat es getan!“

          Die schwerste Krise in den mexikanisch-amerikanischen Beziehungen seit Jahrzehnten lässt sich allerdings weder mit Trotz noch mit Zweckoptimismus schönreden. Nach gerade einmal einer Woche Amtszeit hat Präsident Trump zertrümmert, was die Nachbarländer in Jahrzehnten aufgebaut hatten. Und zwar unter demokratischen und republikanischen Regierungen in Washington sowie von konservativen und linken Regierungen in Mexiko-Stadt. Im mexikanisch-amerikanischen Krieg von 1846 bis 1848 hatte Mexiko einst mehr als die Hälfte seines Territoriums an den Nachbarn aus dem Norden verloren. Seitdem war das Wort des langjährigen Präsidenten José Porfirio Díaz kaum je so wahr wie heute: „Armes Mexiko, so fern von Gott und so nah an den Vereinigten Staaten.“ Der mexikanische Historiker Enrique Krauze ist nur einer von vielen, die ihr Land jetzt vor der größten Herausforderung seit dem Krieg gegen Amerika Mitte des 19. Jahrhunderts sehen.

          Mehrere mexikanische Zeitungen titelten am Donnerstag konsterniert „¡Lo hizo!“ (Er hat es getan!). Da hatte Trump tags zuvor das Dekret zum Beginn des Mauerbaus an der Grenze unterzeichnet. Die Schriftstellerin Elena Poniatowska bemerkte perplex: „Was eine Drohung war, ist nun Realität.“ Bis zuletzt hatte auch Präsident Enrique Peña Nieto an der Sprachregelung festgehalten, wonach die Lösung für Mexiko „weder in der Konfrontation noch in der Unterwerfung“ liege. Er hatte zudem unverdrossen seine Bereitschaft zu Verhandlungen bekräftigt: „Wir glauben an Brücken, nicht an Mauern.“

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