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Straffe Hispanidad Wird die römische Kirche spanisch?

 ·  In der römisch-katholischen Kirche mit ihrem Zentrum bei den Gräbern der Apostel Petrus und Paulus in Rom, der Hauptstadt Italiens, und seiner milden Kultur, änderte sich in den letzten Jahren manches fast unmerklich. Manches kommt einem nun spanisch vor.

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Manches kommt einem nun spanisch vor. In der römisch-katholischen Kirche mit ihrem Zentrum bei den Gräbern der Apostel Petrus und Paulus in Rom, der Hauptstadt Italiens, und seiner milden Kultur, änderte sich in den letzten Jahren manches fast unmerklich. Mit dem Besuch Papst Johannes Pauls II. in Madrid zeigte sich deutlicher, daß diese Weltkirche, in fast allen Kulturen und Völkern vertreten, nun "spanischer" ist. Der Papst hätte diese Visite für ein Treffen mit Jugendlichen und zur Heiligsprechung von fünf Spaniern nicht unbedingt unternehmen müssen. Aber er bestätigte im Zentrum, welche Bedeutung er der "Hispanidad", der spanischen Glaubenskultur innerhalb der katholischen Milliardengemeinschaft, zumißt.

Zuerst der Zahl nach. Die Katholiken spanischer Zunge bilden in der Kirche die größte Gruppe. Spanien selbst, Mexiko als volkreichstes Land, dazu die lateinamerikanischen Länder (mit der "portugiesischen", doch verwandten Ausnahme Brasilien) und schließlich die asiatischen Philippinen sind allesamt katholisch - wenn auch mit schwankender, unterschiedlicher, bisweilen sogar gefährdeter kirchlicher Bindung. Damit übertreffen sie die katholischen Gemeinden englischer, französischer, deutscher und slawischer Sprache.

Das ist nicht nur aus der Bevölkerungsstatistik ersichtlich, sondern es fällt auch ins Auge, wenn sich bei den allgemeinen Bischofssynoden in Rom die Sprachgruppen der Oberhirten formieren, mit der spanischen in der Mehrzahl. Man hört es, wenn sich die Kardinäle der römischen Kurie und aus den großen Erzbistümern der Welt zu einem Konsistorium versammeln - wie es wohl bald zur Erhebung neuer Purpurträger und zur Aufstockung des Papstwähler-Gremiums stattfinden wird.

Auf den wachsenden Einfluß des Spanischen in der Kirchenführung wird man geradezu gestoßen bei der Frage, ob denn beim nächsten Konklave, der Wahl eines neuen Papstes, nicht die Reihe an einem "Hispano", einem Lateinamerikaner, wäre. Nach den Italienern im Kardinalskollegium, die noch als nationale Gruppe angesehen werden, sind die "Spanier" (zusammen mit den Brasilianern) die zahlenstärkste Gruppe, international verbreitet, Erdteile überspannend, Europa, Amerika und Asien verbindend und ebendie relative Mehrheit repräsentierend. Nicht zuletzt regt sich das hispanische Element unter den Katholiken der Vereinigten Staaten immer kräftiger.

Das Spanische tritt in der Kirche auch qualitativ selbstbewußt hervor. Wohin dabei die Richtung geht, zeigen die großen alten Orden und neue Gemeinschaften. Die Italiener Benedikt von Nursia, dem heutigen Städtchen Norcia in Umbrien, aus der Spätantike und Franz von Assisi, ebenfalls in Umbrien gelegen, aus dem Mittelalter gründeten freundliche Mönchsgemeinschaften (Benediktiner, Franziskaner) und legten eine versöhnliche, der Welt und den Menschen zugewandte Gestalt des Christentums vor. Die Spanier Dominikus aus dem Mittelalter und Ignatius von Loyola in der Reformationszeit des 16. Jahrhunderts riefen ganz andere Orden ins Leben, auch zur Abwehr von Gefahren für den bedrängten Katholizismus. "Domini Canes", "Wachhunde" Gottes für den rechtmäßigen Glauben, wurden die Dominikaner genannt, und die Kirchenführung vertraute ihnen oft die Inquisition, den Verfassungsschutz der Kirche, an. Die Jesuiten wiederum, die "Kompanie Jesu", verstanden sich selbst lange Zeit als disziplinierte Truppe für den heiligen Kampf an vielen Fronten.

Zur Illustration ließen sich noch andere spanische Katholiken aufzählen, die für das Entschiedene, Unbedingte des Glaubens stehen: die Königin Isabella etwa mit dem Zusatznamen "die Katholische", die Kolumbus die Entdeckung Amerikas möglich machte und somit der Kirche neue Potentiale erschloß. Die spanischen Heiligen des 16. Jahrhunderts, Theresa von Avila oder Johannes vom Kreuz, den der Papst als junger Karol Wojtyla gründlich studiert hat, gaben der katholischen Religiosität das Tiefe, Mystische, auch leicht Düstere, das bis heute zu finden ist. Da erscheint es nicht verwunderlich, daß der Gründer des "Opus Dei", der vielberedeten internationalen Gemeinschaft engagierter Elite-Katholiken, Laien mit Priestern, ein Spanier ist: Escriva de Balaguer. Dazu paßt eine straff geführte Gemeinschaft von Priestern mit Laien, die sich "Legionäre Christi" nennen; sie wurde in Mexiko in der Zeit der Christenverfolgung vor 80 Jahren gegründet. Nicht zufällig verband Johannes Paul II. im Juli 2002 den Weltjugendtag in Toronto mit einem Besuch in Mexiko-Stadt.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.05.2003, Nr. 108 / Seite 10
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Von Günther Nonnenmacher

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