Home
http://www.faz.net/-gpf-2skj
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Stichwort Völkermord in Srebrenica

02.08.2001 ·  Das Massaker von Srebrenica wurde heute vom UN-Kriegsverbrechertribunal als Völkermord eingestuft.

Artikel Lesermeinungen (0)

Erstmals in seiner Geschichte hat das Haager UN-Kriegsverbrechertribunal einen Angeklagten wegen Völkermordes schuldig gesprochen. Das Gericht verurteilte den bosnisch-serbischen General Radislav Krstic am Donnerstag als einen der Hauptverantwortlichen für das Massaker von Srebrenica zu 46 Jahren Haft.

Krstic habe in der UN-Schutzzone im Juli 1995 den Massenmord an allen Männern im kampffähigen Alter angeordnet, sagte Richter Almiro Rodrigues zur Begründung. Damit habe sich der Offizier des Völkermordes, der Verbrechen gegen die Menschlichkeit und der Kriegsverbrechen schuldig gemacht.

„Schlimmste Gräueltaten“

In Srebrenica hatten bosnisch-serbische Einheiten nach Schätzungen des Internationalen Komitees vom Rotem Kreuz (IKRK) bis zu 8000 Moslems getötet und weitere 20.000 bis 30.000 Menschen vertrieben. Die UN sprach von den „schlimmsten Gräueltaten“ in Europa seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Srebrenica hatte zurzeit des serbischen Angriffs im Juli 1995 den Status einer UN-Schutzzone, in der rund 30.000 moslemische Flüchtlinge Zuflucht gesucht hatten.

Das Gericht stützte sich in seiner Urteilsfindung im wesentlichen auf Zeugenaussagen und Fotos von exhumierten Leichen. Die Anklage legte zudem Luftaufnahmen der Region Srebenica vor und nach dem Massaker vor, die neu entstandene Erdaufschüttungen zeigten. Darunter werden weitere Leichen vermutetet. Mehr als 2000 Tote wurden bislang ausgegraben.

Nur wenige Überlebende

Die Urteilsbegründung ging detailliert auf die grausamen Einzelheiten des Geschehens ein, bei dem schwere Maschinen Massengräber aushuben, während die an Händen und Füßen gefesselten Gefangenen nebenan von Erschießungskommandos getötet wurden. Später wurden die Gräber wieder geöffnet und die Leichen hastig in neuen Gräbern verscharrt. Von den bis zu 8.000 gefangenen Moslems überlebten nur wenige, von denen einige bei dem Prozess als Zeugen ausgesagt haben.

Im Zusammenhang mit dem Massaker von Srebrenica hat das Haager Tribunal 1995 den früheren bosnischen Serbenführer Radovan Karadzic und seinen Oberbefehlshaber Ratko Mladic angeklagt. Beide sind sechs Jahre später immer noch auf freiem Fuß. Die Sprecherin der UN-Chefanklägerin Carla del Ponte sagte zu dem Richterspruch: „Dieses Urteil ist sehr wichtig und zeigt, dass Karadzic und Mladic nach Den Haag überführt werden müssen.“

Quelle: @treu, mit Material von AFP
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Von dir die Fregatte, von mir die Drohne

Von Thomas Gutschker

Verteidigung ist eine nationale Angelegenheit? Die Wirklichkeit hat sich längst geändert. Die Armeen der Nato-Partner müssen zusammenarbeiten. Kein Land ist mehr autark. Mehr 3 7