17.05.2004 · Was genau ist der Weltwirtschaftsgipfel? Das und die wichtigsten Schlagwörter lesen Sie im Gipfel-ABC.
Einmal jährlich treffen sich die Staats- und Regierungschefs der sieben westlichen Industriestaaten zum Weltwirtschaftsgipfel.
Zur Gruppe der G7-Staaten gehören Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und die Vereinigten Staaten. Nachdem Rußland schon seit 1994 steter Gast war, wurde die Runde1998 offiziell für die weltpolitischen Beratungen auf die Gruppe der Acht (G8) erweitert. Unterschlagen wird bei dieser Zählweise der Präsident der Europäischen Kommission, der seit 1977 bei den Gipfeltreffen präsent ist.
Vom Kamingespräch zum Gipfelzirkus
Den ersten Weltwirtschaftsgipfel riefen der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt und Frankreichs Staatspräsident Valéry Giscard d'Estaing 1975 ins Leben. Die Weltwirtschaft war angeschlagen nach der ersten Ölkrise und dem Zusammenbruch des festen Wechselkurssystems von Bretton Woods. Schmidt und Giscard d'Estaing waren sich einig, dass die Industrieländer dies nur gemeinsam bewältigen konnten. So trafen sich die Staats- und Regierungschefs erstmalig bei einem Kamingespräch auf Schloß Rambouillet bei Paris. Seitdem kommen die Staatenlenker jedes Jahr im Sommer in einem anderen Gastgeberland zusammen.
Vorbereitet werden die Gipfel unter anderem von den Treffen der Finanz-, Außen- und Wirtschaftsminister. Daneben koordinieren die persönlichen Beauftragten der Staats- und Regierungschefs einen ständigen informellen Abstimmungsprozess. Der so genannte Sherpa - nach den Führern bei Expeditionen im Himalaja - von Bundeskanzler Schröder ist Alfred Tacke aus dem Wirtschaftsministerium. Er steuert im Auftrag des Bundeskanzlers die inhaltliche Vor- und Nachbereitung des Wirtschaftsgipfels und trifft sich mehrmals im Jahr mit seinen G8-Kollegen.
Gipfel-ABC: Dot Force
Beim G8-Treffen in Okinawa wurde die Bildung einer so genannten „Dot Force“ beschlossen: einer Arbeitsgruppe zur Ausschöpfung der digitalen Möglichkeiten. Dot Force steht für „Digital Opportunity Task Force“.
Gipfel-ABC: HIPC-Initiative
HIPC steht für „heavily indebted poor countries“, die hoch verschuldeten armen Länder. Um die Entwicklungsländer an die dynamisch wachsende Weltwirtschaft anzukoppeln, wurde auf dem Kölner Gipfel beschlossen, die Entschuldung hoch verschuldeter armer Länder zu beschleunigen. In Genua soll eine Zwischenbilanz des Schuldenerlasses für die ärmsten Staaten gezogen werden.
Gipfel-ABC: LDC
Die am wenigsten weit fortgeschrittenen Entwicklungsländer („least developed countries“) sollen einen besseren Marktzugang erhalten. Für die Einordnung eines Landes als LDC gelten vier Kriterien: Die maximale Einwohnerzahl liegt unter 75 Millionen und das Bruttoinlandsprodukt beträgt unter 699 Dollar pro Kopf. Hinzu kommt die Bewertung anhand eines Industrialisierungs- und eines Lebensqualitätsindizes, der die Lebenserwartung und die Alphabetisierung mit einbezieht.
Gipfel-ABC: PPG7
Gemeinsam haben die G7-Länder ein „Internationales Pilotprogramm zur Bewahrung der brasilianischen Regenwälder“ (PPG7) ins Leben gerufen. Es ist weltweit das umfassendste Programm zum Schutz und zur nachhaltigen Entwicklung von Tropenwaldgebieten und geht auf eine deutsche Initiative beim G7-Weltwirtschaftsgipfel in Houston (1990) zurück.