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Steve Jobs Erfolg mit dem billigsten Mac

28.12.2004 ·  Es hat 2004 ein paar Tage gegeben, an denen es so aussah, als würde es für den Apple-Mitbegründer und -Vorstandsvorsitzenden Steve Jobs ein schlechtes Jahr. Im Sommer mußte sich Jobs einen Tumor entfernen lassen, der, wie sich herausstellen sollte, nicht lebensbedrohlich war.

Von Carsten Knop
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Es hat 2004 ein paar Tage gegeben, an denen es so aussah, als würde es für den Apple-Mitbegründer und -Vorstandsvorsitzenden Steve Jobs ein schlechtes Jahr. Im Sommer mußte sich Jobs einen Tumor entfernen lassen, der, wie sich herausstellen sollte, nicht lebensbedrohlich war. Seine Fan-Gemeinde - und Jobs ist ein Vorstandsvorsitzender, der wie kein anderer eine solche Gemeinde hat - hielt gleichwohl für einen Moment den Atem an. Doch mit der Nachricht kam schon die Beruhigung: "An diesem Wochenende habe ich mich einer erfolgreichen Operation zur Entfernung einer Krebsgeschwulst aus meinem Pankreas unterzogen", teilte Jobs seinen Mitarbeitern in einer E-Mail mit. "Ich hatte eine sehr seltene Form von Pankreaskrebs, die Inselzell-Neuroendokrin-Tumor genannt wird, der in rund einem Prozent aller diagnostizierten Fälle von Pankreaskrebs auftritt und der durch chirurgische Entfernung heilbar ist, wenn er rechtzeitig diagnostiziert wird (meiner war's)." Es folgte eine einmonatige Erholungspause. Seit September ist Jobs wieder an Bord. Dem Geschäft hat seine kurze Auszeit nicht geschadet, es boomt. 2004 war für Jobs und Apple ein gutes Jahr.

Wenn es dafür noch eines letzten Beweises bedurft hätte, hat ihn unmittelbar nach Weihnachten das Internetversandhaus Amazon geliefert. "Der digitale Musikspieler ,iPod' von Apple war der Renner in unserem Weihnachtsgeschäft", bilanzierte Amazon im amerikanischen Seattle, doch die Aussage trifft auch auf das deutsche Geschäft zu. Besonders gefragt ist derzeit nicht die kleinste Ausgabe "iPod Mini", die sich im Sommer zum Kultgerät entwickelt hatte, sondern die leistungsfähigste Version, die mit einer Festplatte mit einer Kapazität von 20 Gigabyte ausgestattet ist. Sie ist bei Amazon in Amerika zur Zeit ausverkauft, eine Nachlieferung wird "in Kürze" erwartet. Im deutschen Apple-Store wird die Wartezeit mit sieben bis zehn Tagen angegeben.

Wartezeiten für Produkte in der Unterhaltungselektronik - davon hat man schon lange nicht mehr gehört. Doch bei Apple herrscht Goldgräberstimmung. Der Aktienkurs des Unternehmens ist innerhalb von zwölf Monaten um mehr als 200 Prozent gestiegen. Der Visionär Jobs hat es mal wieder allen gezeigt. Einen derartigen Erfolg hatte bei der Vorstellung des "iPod" im Oktober 2001 niemand erwartet, wohl nicht einmal Jobs selbst. Nach der Präsentation im bescheidenen Rahmen in der Unternehmenszentrale in Cupertino hatte sich Jobs bei den Anwesenden umgehört, wollte testen, wie die Reaktion ausfiel. Die Kommentare blieben verhalten, ihr Tenor war: "zu teuer". Jobs antwortete defensiv. So, wie es gar nicht seiner Art entspricht: "Aber es ist der billigste Mac."

"Mac" ist die liebevolle Abkürzung für "Macintosh" - so werden die "normalen" Computer von Apple genannt. Diese normalen Computer mit Namen wie "iBook" oder "iMac" führen auf dem gesamten Markt für Personalcomputer (PC) ein Nischendasein, was sich auch daran zeigt, daß das "iPod"-Geschäft inzwischen ein Viertel zum gesamten Apple-Umsatz beiträgt. Jobs hofft, daß der Erfolg des "iPod" irgendwann auch wieder mehr Menschen dazu animiert, einen richtigen Computer von Apple zu kaufen. Bisher ist der Plan nicht so recht aufgegangen.

Doch darf man von dem 49 Jahre alten Jobs in dieser Hinsicht immer wieder Überraschungen erwarten. Denn er ist ein Vorstandschef, der mit jedem wichtigen neuen Produkt auf alles oder nichts setzt, einer, der dazu neigt, jedes bedeutende Projekt in der letzten Minute nochmals überarbeiten zu lassen. Der Vegetarier ist ein Fanatiker, ein Design-Besessener, ein jähzorniger Mann, der Mitarbeitern, die ihm gewachsen sind, auf ewig treu ist. Nur in einer Hinsicht ist Jobs für keine Überraschungen gut: Er wird auch morgen und übermorgen noch mit Jeans und schwarzem Shirt auftreten. Von denen hat er, zumindest der Legende nach, vor Jahren Hunderte auf einen Schlag gekauft, nur, um sich morgens beim Anziehen nicht mehr auf die Kleidung konzentrieren zu müssen. Es gibt wichtigere Dinge im Leben. Zum Beispiel den nächsten neuen Apple.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.12.2004, Nr. 304 / Seite 16
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Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

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