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Steuer-Affäre Hoeneß Im Kessel

 ·  Uli Hoeneß hat SPD und Grünen die bisher beste Vorlage im Wahlkampf geliefert. Sie drohten aus dem Fall Hoeneß einen Fall Merkel zu machen. Auf welchem „gesunden“ Rechtsempfinden die Opposition dabei baut, schert niemanden.

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Die Bundeskanzlerin hat schnell auf der Gegentribüne Platz genommen. Es zahlt sich für Politiker zwar aus, bei Fußballspielen im Stadion als Menschen aus Fleisch und Blut beobachtet zu werden. Doch wenn die betuchten Sportfunktionäre neben ihnen auch nur in den Geruch von krummen Geschäften kommen, wird die Ehrenloge leicht zum Pranger. Wenn dann auch noch ein Idol in freien Fall gerät, das den Mund gerne voll nahm, wenn also Anspruch und Wirklichkeit allzu weit auseinanderklaffen, erinnert auch harmloser Sport an blinde Selbstüberschätzung.

Für Frau Merkel ist der Fall Hoeneß aber auch deshalb so brenzlig, weil sich hier ein Sportmanager als der CSU nahestehender „homo politicus“ feiern ließ. Von Politik versteht er aber offenkundig nicht allzu viel. Die „traurigen Facetten“ des Präsidenten von Bayern München, die das Kanzleramt entdeckte, erstrecken sich nämlich vor allem auf die Begründung der Selbstanzeige von Uli Hoeneß. Dass er die „Angelegenheit“ ursprünglich über das von der Koalition geplante, im Bundesrat aber an SPD und Grünen gescheiterte Steuerabkommen mit der Schweiz „regeln“ wollte, ist die beste Vorlage, die sich Peer Steinbrück im Wahlkampf wünschen konnte. SPD und Grüne drohten deshalb aus dem Fall Hoeneß einen Fall Merkel zu machen.

Auf welchem „gesunden“ Rechtsempfinden die Opposition dabei baut, schert niemanden. Immerhin kommt ein Fall wie der des Bayern-Präsidenten nur deshalb zustande, weil Politiker zu Denunziation und Datendiebstahl animieren.

In dieses Bild passt auch der Kessel, in dem Uli Hoeneß der publizistische Prozess gemacht wird. Es gibt derzeit nun einmal kein schlimmeres Verbrechen an der deutschen Gesellschaft als astronomische Gehälter mit anschließender Geiz-ist-geil-Steuerhinterziehung. Der Fußball wird da zum Sahnehäubchen eines „entfesselten“ Kapitalismus.

Noch ist aber nicht klar, auf wessen Veranlassung Hoeneß sich angezeigt hat, wie hoch die Summe ist, um die es geht, und woher sie stammt, also um Wirksamkeit und Vollständigkeit seiner Anzeige. Ist die Zeit zur Beantwortung dieser Fragen nicht nötig, um zu klären, wer ein übler Verbrecher ist, sollte die Selbstanzeige als Mittel der Ehrenrettung schleunigst abgeschafft werden. Dann hätte der eine oder andere auch wieder Zeit übrig, um über den Satz nachzudenken, den Lukas Podolski am Montag vorbrachte: „Wir machen alle Fehler.“

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22.04.2013, 17:10 Uhr

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Von Volker Zastrow

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