28.07.2008 · Die Sicherheitslage in Afghanistan ist trotz der ständig wachsenden Zahl von Nato-Soldaten nicht besser, sondern schlechter geworden. In Pakistan verfügen die Taliban über ein sicheres Rückzugsgebiet und unbegrenzte Möglichkeiten, neue Kämpfer zu rekrutieren.
Von Horst BaciaWährend seines viertägigen Aufenthaltes in Afghanistan hat Außenminister Steinmeier die Aufmerksamkeit daheim vor allem auf erfolgreiche zivile Projekte beim Wiederaufbau des Landes gelenkt. Vom Hindukusch, wo nach den Worten eines ehemaligen Verteidigungsministers auch die Sicherheit Deutschlands verteidigt wird, sollten endlich einmal gute Nachrichten kommen.
Nach dem Treffen mit Präsident Karzai musste sich der Minister aber auch zur Sicherheitslage äußern. Und die ist trotz der ständig wachsenden Zahl von Nato-Soldaten in Afghanistan nicht besser, sondern schlechter geworden. Hohe Offiziere im Bündnis verweisen darauf, dass die Angriffe aufständischer Taliban und anderer Gruppen auf zivile oder militärische Ziele - vor allem in den östlichen Provinzen, entlang der zweieinhalbtausend Kilometer langen Grenze zu Pakistan - in den vergangenen Monaten um 40 Prozent zugenommen hätten.
Unsicherheitsfaktor Pakistan
Jenseits dieser Grenze, in den autonomen Stammesgebieten Pakistans, verfügen die Taliban über ein sicheres Rückzugsgebiet und praktisch unbegrenzte Möglichkeiten, in den Koranschulen immer neue Kämpfer zu rekrutieren. Die Grenze wird von den paschtunischen Stämmen, die auf beiden Seiten leben, seit je her nicht respektiert und ist nicht wirklich zu überwachen. Und der Einfluss der pakistanischen Zentralregierung in den Stammesgebieten, die sich schon während der britischen Kolonialherrschaft selbst verwalteten, ist ohnehin gering.
Nun ist ihr Arm noch schwächer geworden. Denn einerseits haben dort zum Teil radikale islamische Gruppen die Macht übernommen (auch Usama bin Ladin und andere Al-Qaida-Führer sollen in den Stammesgebieten Unterschlupf gefunden haben). Andererseits ist die zivile Regierung in Islamabad seit Monaten vor allem mit sich selbst beschäftigt. Zu Recht sagte Steinmeier in Kabul: „Wir schauen mit Sorge auf das Nachbarland Pakistan.“
Doch was heißt das? Amerikanische Militärschläge über die Grenze hinweg, zumeist mit unbemannten Flugkörpern, werden das Problem nicht lösen. Und ständig wiederholte Aufforderungen an die pakistanische Regierung, mehr zu tun, werden kaum fruchten. Nicht nur wegen der Lage in Afghanistan - wo auch deutsche Soldaten ihr Leben riskieren - verlangt Pakistan größere Aufmerksamkeit. Auch Deutschland könnte sich dort stärker als bisher engagieren.