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Steinbrück auf Wahlkampf-Tour : Wenn das die Schweizer wüssten

Steinbrück auf der Meyer-Werft in Papenburg Bild: dpa

Peer Steinbrück macht Wahlkampf in seiner Heimat. Kampfeslustig, fast trotzig wirkt er dabei. Vielleicht geht es auch schon um das Verlieren mit Anstand.

          Die Boeing 747-8 zählt zu den größten Passagierflugzeugen, die derzeit gebaut werden. Auf dem Rollfeld der Lufthansa Technik AG in Hamburg wird eine solche Maschine, Nachfolgemodell der alten Jumbo Jets, gewartet. Peter Jansen ist Vorstandsmitglied der Technik AG und führt seinen Gast ins Cockpit. Peer Steinbrück nimmt Platz und stellt ein paar technische Fragen. Freilich ist er nicht des Fachsimpelns wegen in die Steuerungszentrale geführt worden, sondern einzig und allein wegen des Bildes: Der SPD-Kanzlerkandidat im Cockpit, Start in den Wahlkampf, der ihn zunächst auf Höhe und dann ins Kanzleramt bringen soll - Kampagnenberater und Fotografen lieben solche Termine.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Steinbrück, ein Mann, der sich für Technik begeistern kann, zieht eigentlich Schiffe Flugzeugen vor, doch eine Rundfahrt durch die Hafen-City seiner Geburtsstadt musste kurzfristig abgesagt werden. In der Boeing erzählt der Kandidat, dass er einmal in einem Flugsimulator gesessen habe: Start war in Genf und die Flugzeit nur sehr kurz, denn Steinbrück flog die Maschine gegen den Mont Blanc - wenn das die Schweizer wüssten! Er habe sich völlig verflogen, sagt er. Auch erinnert er sich, dass die Computergrafik sehr realistisch gewesen sei. So realistisch, dass Simulatorenprogramme im Unglücksfall einfach abbrechen, Bilder vom Absturz werden nicht gezeigt, schließlich sollen die Jungpiloten ausgebildet und nicht traumatisiert werden.

          Kandidat im Cockpit: Besuch bei der Lufthansa Technik AG Bilderstrecke
          Kandidat im Cockpit: Besuch bei der Lufthansa Technik AG :

          Spitzenkandidaten müssen sich ebenfalls in Simulatoren begeben. Wer die Wochen bis zum Wahltag überleben will, muss sich in einer Umgebung aufhalten, in der solange über Auf- und Rückenwinde geredet wird, bis der Kandidat sie selbst zu spüren scheint. Und er muss am Horizont etwas erkennen, das nicht aussieht wie eine karge Felswand. Zwischenzeitlich gab es in der SPD arge Zweifel, ob es Steinbrück in diesem Sommer noch gelingen könnte, sich in diesen Zustand der Autosuggestion zu versetzen. Seine Gemütsverfassung changierte längere Zeit zwischen fatalistischer Selbstironie und hadernder Larmoyanz. Nun aber, nach ein paar Tagen Pause im Juli, die er zuhause in Bonn verbrachte, scheint er seelisch wieder einigermaßen hergestellt.

          Kampfeslustig, fast ein wenig trotzig wirkt er am Donnerstagabend vor dem Hamburger Michel. Hier läutet er den Wahlkampf in der Hansestadt ein und übt ein Format, das bis zur Wahl an annähernd 40 Orten der Republik zum Einsatz kommen soll. Andrea Nahles, die Wahlkampfleiterin, nennt dieses Format eine moderne Großveranstaltung: ein rundes Zelt, Steinbrück in der Mitte, Bierbänke drumherum, ein Moderator, kurze Rede, viel Gespräch. Das ganze nennt sich „Klartext-Open-Air“ im SPD-Duktus. Hausherr Olaf Scholz begrüßt die Bürger auf der Michelwiese. Die Wolken haben sich rechtzeitig verzogen, die Sonne scheint, und die Leute sind ganz guter Dinge.

          Gewiss, der Altersdurchschnitt könnte niedriger sein: graue Haarschöpfe prägen das Bild, aber immerhin, die Wiese hat sich gefüllt. Steinbrück sagt, was er nicht machen will: eine Stunde reden, langweiligen Frontalunterricht erteilen und dann wieder abziehen. Nein, er wolle sich kurz halten und das Ganze dialogischer aufziehen, so wie auf seiner Klartext-Tour durch die Bundesländer. Er redet dann zwar doch fast eine Stunde und zu einem Dialog kommt es auch nicht. Das liegt aber daran, dass an diesem Abend noch die sechs weiblichen Mitglieder seines „Kompetenzteams“ zu Wort kommen sollen.

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