Wie fast jede Nachricht, so hat auch diese zwei Seiten. Was stellt man in den Vordergrund? Dass die Bevölkerung in Deutschland schrumpft - oder dass mehr Kinder geboren werden?
Zur üblichen deutschen Schwarzmalerei passt es sicher besser, das baldige Aussterben des eigenen Volkes an die Wand zu malen, wie das schon einige Jahrzehnte lang geschieht.
Planungssicherheit gibt es nicht
Dabei ist die lebensverneinende Grundhaltung eine der Ursachen des Problems. Wichtiger als eine umfassende staatliche Versorgung von Reich und Arm ist es, ein Klima zu schaffen, in dem junge Menschen Kinder haben wollen. Der eigentlich natürliche Wunsch ist in einer großenteils atheistischen Wohlstandsgesellschaft wie der deutschen für nicht wenige zu einer Planungsfrage geworden.
Dabei merkt mancher erst spät - und das kann tragische Züge haben -, dass sich eben nicht alles planen lässt. Das gilt für die Karriere ebenso wie für die Familie, auch wenn Hochglanzbroschüren etwas anderes versprechen. Für den Staat ist es nicht einfach, ein kinder- und lebensfreundliches Klima zu erzeugen. Doch sollte man seine Anstrengungen, in denen sich die beiden Noch-Volksparteien nicht sehr unterscheiden, deshalb nicht gleich belächeln.
Zwar hat das Bundesfamilienministerium zu Recht stets gezögert, die gestiegene Geburtenrate in einen Zusammenhang mit einzelnen Fördermaßnahmen zu bringen. Doch auch nicht unumstrittene Subventionen wie das Elterngeld und der Krippenausbau sind Signale - für die Möglichkeit, Kinder zu haben und zugleich dem erwünschten Beruf nachzugehen, wie das viele Frauen wollen.
Stimmung schlechter als die Lage
Doch ob das gelingt, wird letztlich in den Unternehmen entschieden. Manche geben zwar immer noch viel Geld für Forschungen zu der Frage aus, warum es so wenige Frauen in bestimmte Positionen schaffen; andere haben es schon begriffen: Familienfreundlichkeit ist gefragt, und sie führt letztlich auch zu mehr Leistung.
Der Staat muss zudem dafür sorgen, dass sich nicht nur Unternehmens-, sondern auch Familiengründer möglichst frei entfalten können. Dann kehren auch weniger Deutsche Deutschland den Rücken, dann wird auch die Bevölkerung in den östlichen Ländern nicht weiter schrumpfen. Doch auch dort ist die Stimmung oft schlechter als die Lage.
V o r a l l e m eine Klimafrage
Rolf Joachim Siegen (rolfS2)
- 27.06.2008, 00:23 Uhr
Das lassen wir uns nicht verhageln
Günter Blümel (guenterbluemel)
- 27.06.2008, 09:13 Uhr
Reinhard Müller Jahrgang 1968, Redakteur in der Politik, zuständig für „Staat und Recht“.
Jüngste Beiträge