11.07.2010 · Ein Regierungssprecher braucht viele Eigenschaften, im Zeitalter von Fernsehen und Internet gehört dazu auch ein schönes Gesicht. Doch Steffen Seibert wird in dieser Rolle nur so gut sein können, wie das Produkt, das er verkauft.
Von Oliver HoischenDas muss man dieser Bundeskanzlerin wirklich lassen: Für eine Überraschung ist sie immer noch gut. Wochenlang waren im Berliner Regierungsviertel die Namen all derjenigen genannt worden, die für den Posten vermeintlich in Frage kamen, und gleichzeitig war klar, dass es von ihnen keiner werden würde. So sind die Gesetze des Medienbetriebs. Durchaus bekannt aber waren die sagenhaften Eigenschaften, über die so ein Regierungssprecher verfügen muss. Felix von Eckardt, Sprachrohr des Kanzlers Adenauer, hat sie einst aufgezählt: „Unerschütterliche Ruhe, großes Wissen, Humor, schnelle Reaktionsfähigkeit, Kenntnis der Gesetze, unter der die journalistische Arbeit steht, und jederzeit Hilfsbereitschaft.“
Dass es in Zeiten von Fernsehen und Internet auch ganz vorteilhaft ist, der Regierung ein schönes Gesicht zu geben, ist spätestens seit Ulrich Wilhelm kein Geheimnis mehr, dem Mann, den viele für ein Double von Robert Redford halten. Er war ein Regierungssprecher, wie er im Bilderbuch steht – jedenfalls hat er seine Arbeit ohne jedes Stolpern verrichtet.
Die Deutschen werden einfach nicht hinhören
Auch die ständige Nähe von Steffen Seibert wird Angela Merkel gefallen. Je mehr sie ihn in ihr kleines Küchenkabinett im Bundeskanzleramt einbezieht, desto mehr werden sich die Journalisten dafür interessieren, was er zu sagen hat. Dass sie sich für einen von Berufs wegen bisher unabhängigen Kopf entschieden hat und nicht für einen von Natur aus loyalen Beamten, spricht für sie und ihren Sinn für öffentliche Darstellung. Doch sollte man sich nicht täuschen lassen: Auch ein Chef des Bundespresseamts kann nur so gut sein wie das Produkt, das er zu verkaufen hat. Wenn sich Union und FDP weiter so an die Gurgel gehen wie in ihren ersten gemeinsamen Monaten, dann kann Steffen Seibert noch so sanft in die Mikrofone sprechen – die Deutschen werden einfach nicht hinhören.
kann nur so gut sein wie das Produkt, das er zu verkaufen hat
Paul Banaschak (paul.banaschak)
- 11.07.2010, 13:33 Uhr
Ich hoffe bloss,...
Thomas Kobler (ThomasKobler)
- 11.07.2010, 14:34 Uhr