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Stefan Wisniewski Bei der RAF trug er einst den Kampfnamen „Fury“

War er am Gründonnerstag 1977 der Mörder Siegfried Bubacks, des Fahrers Wolfgang Göbel und des Justizbeamten Georg Wurster? Stefan Wisniewski wird vom ehemaligen RAF-Terroristen Peter-Jürgen Boock belastet, der Todesschütze gewesen zu sein.

© dpa Vergrößern „Er war immer ein bißchen ungestüm” - Fahndungsfoto Stefan Wisniewskis, 1977

War er der Mörder Siegfried Bubacks, des Fahrers Wolfgang Göbel und des Justizbeamten Georg Wurster am Gründonnerstag 1977? Stefan Wisniewski wird vom ehemaligen RAF-Terroristen Peter-Jürgen Boock belastet, er sei der Todesschütze gewesen. Wisniewski habe „die militärische Ausbildung an den entsprechenden Waffen gleich zweimal absolviert“, sagt Boock. Die frühere RAF-Angehörige Verena Becker soll schon Anfang der achtziger Jahre Wisniewski als Schützen genannt haben - in Gesprächen mit dem Verfassungsschutz.

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Wisniewski, der in der RAF den Spitznamen „Fury“ hatte (er war „immer ein bisschen ungestüm“, sagte Silke Maier-Witt über ihn), wird im April 1953 in der Nähe von Freudenstadt geboren. Seine Mutter kümmert sich allein um ihn und seine drei Schwestern, der Vater war früh verstorben. Eine Lehre als Elektroinstallateur bricht Wisniewski 1968 nach der Volksschule ab, fährt für einige Zeit zur See, lernt dort „das Elend der Dritten Welt“ kennen, wie er berichtet. Vorübergehend ist er in einem Erziehungsheim untergebracht, haut dort immer wieder ab.

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1975 ging er in den Untergrund

Von 1972 an hat er Freunde in linksextremistischen Studentenkreisen, lebt mit dem späteren RAF-Mitglied Karl-Heinz Dellwo zusammen, den er noch aus Freudenstadt kennt. Er engagiert sich gegen die „Isolationsfolter“ der RAF-Gefangenen, lässt seine Arbeitslosenhilfe auf Konten der „Komitees gegen Folter“ überweisen. Von 1975 an hat er engen Kontakt zu den RAF-Mitgliedern, die am 24. April die deutsche Botschaft in Stockholm überfallen und zwei Diplomaten erschießen. Wisniewski geht im selben Jahr in den Untergrund - Auslöser ist der Hungertod des RAF-Terroristen Holger Meins.

1977 gehört er zu dem Kommando, das am 5. September den Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer entführt und den Fahrer und drei begleitende Polizeibeamte erschießt. An dem Überfall sind neben ihm Peter-Jürgen Boock, Sieglinde Hoffmann und Willy-Peter Stoll beteiligt.

Bis zuletzt bei Schleyer

Bei der „Mitternachtsdiskussion“ am Tag vor der Entführung beschließt die RAF, dass der damals 24 Jahre alte Wisniewski am Tatort das Sagen haben solle. Wisniewski soll bis zuletzt mit Schleyer zusammen gewesen sein. Vom letzten Versteck Schleyers in Brüssel soll er mit einem weiteren RAF-Mitglied über die belgisch-französische Grenze gefahren sein. Schleyer wird dann in einem Waldstück mit drei Schüssen in den Hinterkopf ermordet.

Am Pariser Flughafen Orly wird Wisniewski am 11. Mai 1978 festgenommen. Eine geplante Befreiung von „Fury“ durch ein RAF-Kommando per Hubschrauber wird im Sommer 1978 abgeblasen, nachdem das angebliche „Filmteam“ beim Auskundschaften sich auffällig verhält und nach einem Hubschrauberflug von der Polizei verfolgt wird.

Wisniewski wurde am 4. Dezember 1981 wegen gemeinschaftlichen fünffachen Mordes und weiterer schwerer Straftaten vom Oberlandesgericht Düsseldorf zu zweimal lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Nach Verbüßung der festgelegten Mindesthaftdauer von 20 Jahren wurde Wisniewski am 1. März 1999 auf Bewährung entlassen. Der ehemalige RAF-Terrorist hatte sich nach Überzeugung des Gerichts glaubhaft davon distanziert, politische Ziele mit Gewalt durchzusetzen.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 23.04.2007, 18:11 Uhr

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