06.07.2009 · Tillichs ängstlichem Umgang mit seiner Vergangenheit ist es zuzuschreiben, dass er sich nun mit vermeintlichen Enthüllungen auseinandersetzen muss. Wie konnte Sachsens Ministerpräsident glauben, mit seiner Geheimniskrämerei durchzukommen?
Von Stefan DietrichKonnte jemand in der DDR ein öffentliches Amt bekleiden, ohne Kontakt zur Staatssicherheit zu bekommen? Stanislaw Tillich, der es über die Mitgliedschaft in der Blockpartei CDU in jungen Jahren zum stellvertretenden Verwaltungschef des Kreises Kamenz gebracht hat, ist das offenbar beinahe gelungen. Aber nur beinahe; zwei Besuche harmloser Art hat ihm die „Firma“ doch abgestattet.
Daraus hätte ihm nie jemand einen Strick drehen können, wenn er nicht selbst ein großes Geheimnis darum gemacht hätte. Alles, was Tillich sonst noch verschwiegen haben soll - seine Mitgliedschaft in der CDU und seine herausgehobene Stellung im Rat -, war in seiner sorbischen Heimat ohnehin kein Geheimnis. Die Wähler haben ihm trotzdem ihr Vertrauen geschenkt.
Dass solche „Enthüllungen“ nun im Wahlkampf gegen ihn verwendet werden können, ist Tillichs ängstlichem Umgang mit dieser Vergangenheit zuzuschreiben. Wie konnte er glauben, mit seiner Geheimniskrämerei durchzukommen? Wer die Wahrheit stückchenweise und erst unter Druck herausrückt, setzt sich selbst in ein schiefes Licht.