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Staats-Fotografie in Bayern : Balla-Balla-Leica

Auf einem Bild: Horst Seehofer mit Alexander König Bild: dpa

Alexander König sorgte als sogenannter „Last-Minute-Abgeordneter“ im bayerischen Landtag für Aufsehen. Jetzt interessiert sich nicht nur der Rechnungshof für seine auf Staatskosten gekauften Kameras.

          Josef Filser ist wieder da! Lange galt der bayerische Landtagsabgeordnete, den Ludwig Thoma in einem fiktiven Briefwechsel ins Leben gerufen hat, als verschollen. Filser verhalf ganzen Generationen zu tiefen Einblicken, welche Beschwernisse das Dasein als Parlamentarier mit sich bringt - in einer unverstellten Sprache und Orthographie: „Der barlamendarische beruf ist aufreubend und man bringt ein groses Obfer fier den Wallgreis“. Wie aufreibend der parlamentarische Beruf immer noch ist und welche Opfer für den Wahlkreis immer noch erbracht werden, offenbart jetzt das Schicksal des CSU-Landtagsabgeordnete Alexander König, der sein Wirken für die Nachwelt in Bildern festhalten wollte.

          Albert Schäffer

          Politischer Korrespondent in München.

          König nutzte dabei die Möglichkeit, dass ein Mitglied des Landtags in jeder Legislaturperiode sich bis zu 12.500 Euro für „mandatsbedingte Informations- und Kommunikationseinrichtungen“ erstatten lassen kann, zu einem ganz persönlichen Konjunkturprogramm für die Hersteller digitaler Kameras. Fünf Kameras erstand König, darunter eine im Wert von weit mehr als 6000 Euro. Ihn schreckte nicht, dass er eine Eigenbeteiligung von 15 Prozent aufbringen musste. Gedankt wurde es ihm nicht: Als der Bayerische Rechnungshof im Zuge der Verwandtenaffäre das Finanzgebaren des Landtags untersuchte, fragten die Prüfer pikiert, ob die Ausgaben denn notwendig gewesen seien für die Mandatsausübung.

          König blieb die Antwort nicht schuldig: Die Moritat seiner Kamerakäufe, die er jetzt veröffentlicht hat, liest sich ergreifend. Josef Filser hatte recht, dass es „ein Kreuz“ sei „mit dem Regirn“. König schreibt, in dieser Wahlperiode habe er zunächst „drei kleine Digitalkameras zu einem Ladenpreis zwischen 189 und 279 Euro gekauft und abgerechnet“. Aber damit habe er kein Glück gehabt: „Diese gingen nacheinander kaputt. Bei einer klemmte das Objektiv, bei der nächsten ist ein Fremdkörper im Objektiv. Im Laden sagte man mir, ja, das könne man reparieren, koste jedoch über 100 Euro.“

          Die billige Kamera funktioniert bis heute

          In dieser Not sei er auf die Idee verfallen, einen „unverwüstlichen Fotoapparat“ der Marke Leica zu kaufen. Der Preis betrug zwar nicht 100 Euro, sondern mehr als 6000 Euro, aber König griff beherzt zu. Beim Landtagsamt habe er noch nachgefragt, ob er das dürfe - die Antwort habe gelautet, er dürfe das. „Ich marschierte in den Laden und kaufte, ohne lange zu überlegen oder auszuprobieren, den Foto und rechnete ihn ab“, schildert König den Erwerb.

          Doch dann erlebte er ein Debakel: „Als ich das Ding auspackte und ausprobierte, erfolgte die Ernüchterung. Ich hatte eine für Profis bestimmt tolle Kamera gekauft, die schwer, unhandlich für mich unpraktisch war.“ Die Kamera, von der andere Fotografen träumen, war für König, salopp gesprochen, Balla-Balla-Leica.

          „Der teure Einkauf landete im Regal“, schreibt König; er habe wenig später eine kleine Kamera für 159 Euro gekauft, „welche bis heute funktioniert“. Der Leser atmet mit ihm bei dieser Passage auf - fast hätte es also ein Happy End gegeben, wenn nicht der Rechnungshof so verständnislos reagiert hätte. Im Juli dieses Jahres habe er dem Landtagsamt mitgeteilt, „dass die Leica für mich als Abgeordneten nicht zu gebrauchen ist, weshalb ich diese rechtzeitig vor dem Ende der Legislaturperiode rückwirkend in mein Privatvermögen überführen möchte“.

          Keine gemeinsamen Bilder mit Seehofer

          Die 6000 Euro habe er „dem Freistaat Bayern überwiesen“. Der „Fehlkauf“ habe ihn „eine Stange Geld“ gekostet, „den Steuerzahler allerdings keinen Cent, weshalb ich mich schon wundere, dass der Sachverhalt vom Rechnungshof veröffentlicht wurde“.

          Wie immer es mit der Sachkunde des Parlamentsfotografen König bestellt sein mag - im Parlamentsrecht muss er als beschlagen erachtet werden. Der Jurist, der für den oberfränkischen Stimmkreis Hof seit 1998 im Landtag sitzt, ist stellvertretender Vorsitzender der CSU-Fraktion, Mitglied des Ältestenrats und Vorsitzender einer interfraktionellen Arbeitsgruppe zu Fragen der Parlamentsrechts.

          Im Juli, als er sich entschloss, die unverwüstliche, aber unpraktische Leica in sein Privatvermögen zu „überführen“, brannte es - politisch gesehen - im Landtag schon lichterloh wegen der Beschäftigung von Ehefrauen und nahen Verwandten durch Abgeordnete. König gehört zu den sechs Abgeordneten, die in der Affäre mit dem hässlichen Begriff „Last-Minute-Abgeordnete“ bedacht wurden, weil sie im Jahr 2000 nahe Verwandte zu einer Zeit anstellten, als sich schon ein Verbot solcher Beschäftigungsverhältnisse abzeichnete.

          Warum sich der Bayerische Rechnungshof mit seinen Kamerakäufen befasst hat, versucht er sich auf eine Weise zu erklären, die Josef Filser für plausibel halten dürfte: „Vielleicht hat man sich dort erinnert, dass ich schon einmal vorgeschlagen habe den Sitz des Rechnungshofes nach Wunsiedel zu verlegen.“

          So gesehen war die Rache der Rechnungsprüfer fürchterlich! Horst Seehofer findet Königs Anstrengungen, in den Besitz einer unverwüstlichen Kamera zu kommen, „unschön“. Der CSU-Vorsitzende wird bis zum Wahltag keinen allzu großen Wert auf gemeinsame Bilder mit König legen. Auch in der die Zeit danach dürfte es dabei bleiben.

          Quelle: F.A.Z.

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