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Raubkopien Volkssport Downloaden

Wer beim Herunterladen von Raubkopien erwischt wurde, riskierte bisher den finanziellen Ruin - nun soll die Rechtslage entschärft werden. Und die Computerszene findet neue Möglichkeiten, juristische Hürden zu überwinden.

© dpa Vergrößern Vorsicht vor dem Klick: Nicht jeder Download-Button führt zu legalem Inhalt

Vor wenigen Jahren versuchte eine Kinowerbung der deutschen Filmbranche, die Zuschauer in Unruhe zu versetzen. Zu sehen waren drei Kinder und eine Mutter, die dem im Gefängnis sitzenden Vater ein Weihnachtsständchen sangen. Eines der Kinder fragte, wann der Papa wieder freikomme. Die Mutter entgegnete trocken: „Noch dreimal singen.“ Auf der Leinwand des Kinos erschien in großen Buchstaben der Satz: „Raubkopierer werden mit bis zu fünf Jahren Freiheitsentzug bestraft.“ Da bleibt mancher vielleicht doch lieber auf dem Pfad der zahlenden Tugend.

Justus Bender Folgen:  

„Im Durchschnitt begeht jeder Jugendliche beim Surfen im Internet eine Urheberrechtsverletzung in der Stunde“, sagt der Kölner Anwalt Christian Solmecke, dessen Kanzlei schon 22000 Mandanten wegen Urheberrechtsverletzungen vertreten hat. Für ein illegal kopiertes Lied verlangen Musikverlage in Abmahnungen zwischen 300 und 1500 Euro. Weil Jugendliche oft Datenpakete mit 100 der neuesten Chartlieder herunterladen, kommt es derzeit zu zivilrechtlichen Forderungen in Höhe von 30000 bis 150000 Euro - für eine einzige Datei. Der Streitwert eines Gerichtsverfahrens, von dem sich die Höhe dieser Forderungen ableitet, wird üblicherweise mit 10000 pro Raubkopie angesetzt, im Fall von 100 Liedern liegt dieser jenseits der Millionengrenze. „Die Streitwerte sind maßlos überzogen. Zum Vergleich: Eine Auseinandersetzung zwischen den Firmen O2 und Fiat wegen einer Markenverletzung hatte kürzlich einen Streitwert von 100000 Euro“, sagt Solmecke.

Illegaler Download ist einfach

Um die sogenannte Abmahnindustrie einzudämmen, billigte das Bundeskabinett am Mittwoch einen Gesetzentwurf, nach dem die Kanzleien in Zukunft nur noch Anwaltskosten in Höhe von 155,30 Euro pro Abmahnung verlangen dürfen. So sollen „unseriöse Geschäftspraktiken“ verhindert werden, wie es zur Begründung heißt. Der Bundestag wird voraussichtlich im April über den Entwurf entscheiden. Offizielle Schätzungen, wie viele Bundesbürger auf ihren Computern gegen das Urheberrecht verstoßen, gibt das Bundeskriminalamt nicht bekannt. Die „Interessengemeinschaft gegen den Abmahnwahn“ schätzt, dass im Jahr 2012 rund 110000 Abmahnungen mit Forderungen über insgesamt 87 Millionen Euro verschickt wurden.

Es ist einfach, sich im Internet illegal Filme oder Musik zu verschaffen. Drei Verfahren sind in den vergangenen Jahren in Mode gekommen: das Peer-to-Peer-Verfahren, das Streaming-Verfahren und das Herunterladen bei sogenannten One-Click-Hostern. Es lohnt sich sowohl in politischer wie auch zivilrechtlicher Hinsicht, den Unterschied zu kennen.

IP-Adresse ist Nummernschild im Netz

Als Peer-to-Peer-Verfahren bezeichnet man Tauschbörsen mit so exotischen Namen wie Vuze, Transmission oder eMule. Zehntausende Menschen vernetzen ihre Computer untereinander und teilen brüderlich Musik- und Filmsammlungen. Wer ein bestimmtes Musikstück sucht, findet es mit Sicherheit auf einem oder mehreren Computern eines anderen Netzwerkers und kopiert es sich von dessen Computer. Bedingung für das Herunterladen in solchen Tauschbörsen ist allerdings immer auch die Bereitschaft, eigene Dateien zu teilen. Wer nur nehmen will, ohne zu geben, wird automatisch ausgeschlossen. Hierin liegt die Gefahr des Erwischtwerdens. Große Musikverlage beauftragen Ermittler damit, Interesse an Musik und Filmen zu heucheln. Weil jeder, der sich einen Film kopiert, diesen automatisch mit tausenden Teilnehmern teilt, vertausendfacht sich auch Höhe der Schadensersatzforderungen - und damit die Lukrativität für die beteiligten Kanzleien.

Übertragen ahnungslose Bürger dann Teile ihrer Musiksammlung auf den Computer eines Ermittlers, geben sie ihre sogenannte IP-Adresse preis. Diese Ziffernfolge mit 32 Stellen funktioniert wie ein Nummernschild im Datenverkehr, allerdings ist die IP-Adresse bei jedem Besuch im Internet eine andere. Wer an einem bestimmten Datum zu einer bestimmten Uhrzeit welche IP-Adresse genutzt hat, wird von Internetanbietern wie Telekom, O2 oder Alice unterschiedlich lange gespeichert. Manche speichern diese Zuordnungsdaten sieben Tage lang, andere nur drei Tage.

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Veröffentlicht: 14.03.2013, 10:06 Uhr

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