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Europäer und Amerikaner : Der Westen ist Geschichte

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Bild: GReser & Lenz

Zu lange haben Washington und London, Paris und Berlin an Strukturen und Organisationen festgehalten, die in einer anderen Welt entstanden sind.

          Es ist so weit. Europäer und Amerikaner sind endgültig gefordert, ihre Positionen zu hinterfragen. Dass der Anstoß von einem Mann kommt, dessen irritierende Auftritte diesseits des Atlantiks mit einer eigentümlichen Mischung aus Fassungslosigkeit und Faszination verfolgt werden, ändert daran nichts. Denn Donald Trump ist nun einmal Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.

          Zu lange haben Washington und London, Paris und Berlin an Strukturen und Organisationen festgehalten, die in einer anderen Welt entstanden sind. Sowohl die Nato als auch die heutige EU, um die wichtigsten zu nennen, lebten vom Ost-West-Gegensatz. Keine dieser Gemeinschaften war 1991 auf den Exitus der Sowjetunion und damit auf das Ende des Kalten Krieges vorbereitet. Keine von ihnen hat es in den vergangenen 25 Jahren geschafft, sich den grundlegend geänderten Verhältnissen anzupassen. Das unterscheidet sie von den sowjetisch dominierten Gemeinschaften wie dem Warschauer Pakt. Die traten in dieser Form jedenfalls von der Weltbühne ab.

          Der Westen zog keine vergleichbare Konsequenz, im Gegenteil: Unfähig oder unwillens zur Reform, aber auch überwältigt vom Andrang der jungen Staaten Ostmittel- und Südosteuropas, nahmen Nato und Europäische Union in Serie neue Mitglieder auf. Im Falle der EU führte das an den Rand des Infarkts. Das lag an der schieren Zahl der zwölf Neuankömmlinge, aber auch an den sehr heterogenen Erwartungen der einzelnen Mitglieder an die Gemeinschaft. So suchten die Bewohner der politisch und militärisch nur eingeschränkt souveränen alten Bundesrepublik im integrierten Europa einen passenden Ersatz für jene nationale Identität, die ihnen - und nur ihnen - im Übrigen versagt war. Bis heute sehen die meisten Deutschen in Europa auch eine identitätsstiftende Einrichtung. Fast alle anderen sehen das anders. Auch deshalb schlugen sämtliche Versuche fehl, auf den Zusammenbruch der alten Weltordnung mit einer grundlegenden Reform zu reagieren und der Gemeinschaft das fehlende gemeinsame politische und militärische Fundament zu verpassen. Das ist ein entscheidender Grund, warum es die Menschen heute in Scharen aus der EU drängt. Und es ist eine Erklärung für die Konjunktur des Populismus.

          Dass mit Großbritannien erstmals seit 1945 ein Mitglied freiwillig die EU verlässt, ist so gesehen konsequent. Und es ist ein Fanal. Nicht wegen des Schrittes selbst. Die EU kann ohne Großbritannien auskommen. Schwerer wiegt, dass die Entscheidung der Briten für die Rückbesinnung auf nationale Kräfte und Qualitäten beim Krisenmanagement steht. Und eben dafür steht auch Donald Trump. Diese neue Form des Nationalismus, die bei Trump tendenziell in den Chauvinismus übergeht, entfaltet auch in der Nato ihre Wirkung. Sie war 1949 in der Absicht gegründet worden, die nationale Unabhängigkeit und Sicherheit ihrer Mitglieder zu garantieren und sich gemeinsam gegen eine Bedrohung zu wappnen, die man vor allem im Osten Europas ausmachte.

          Eine Aufgabe dieser Zielsetzung wurde auch nach dem sowjetischen Exitus nie ernsthaft erwogen, weil sie das eigentliche und im Grunde einzige Bindemittel des Bündnisses war. Mit der Zielsetzung blieb aber zwangsläufig auch das Ziel erhalten, nur dass Russland an die Stelle der Sowjetunion trat. Die Aufnahme einer Reihe vormaliger Sowjetrepubliken und vormaliger Warschauer-Pakt-Staaten verstärkte diesen Trend. Viele von ihnen sahen nämlich in der Nato von Anfang an auch einen Rahmen für die Behauptung ihrer nationalen Identität - vor allem gegenüber der Russischen Föderation, also einem Land, das seinerseits vollauf mit der nationalen Selbstvergewisserung beschäftigt war.

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